Als ein Risikofaktor für die Gesundheit ist der Bluthochdruck hinlänglich bekannt. Doch als Wegbereiter zu Frühgeburten spielt auch der niedrige Blutdruck eine seit Jahren offenbar unterschätzte Rolle.

Gynäkologen der Universitätsklinik Wien untersuchten 70 sonst gesunde Schwangere mit allzu niedrigem Blutdruck (systolisch unter 115 und diastolisch unter 70 Millimeter Quecksilbersäule). In neun von zehn Fällen fanden sie die für den Fötus lebenswichtige Durchblutung der Gebärmutter eingeschränkt.

Zwar ist Bluthochdruck in der Schwangerschaft häufig, ein Blutdruckabfall aber nicht ungewöhnlich. Er stabilisiert sich meist, wie der Göttinger Gynäkologieprofessor Heinz Kirchhoff 1976 feststellte, und ist zu Beginn der Geburt bei nur zwei Prozent der werdenden Mütter nachweisbar. Die niedrigsten Druckwerte treten um die 16. bis 24. Schwangerschaftswoche auf. Die Folgen sind gleichwohl fatal: Die Rate der Frühgeburten bei Frauen mit niedrigem Blutdruck lag mit 13 Prozent beinahe doppelt so hoch wie bei Schwangeren mit normalem Blutdruck (120/80). Auch erleben Schwangere mit niedrigem Blutdruck auffallend häufiger Fehlgeburten. Die werdenden Mütter zeigen zudem eine – mit ihrer Venenschwäche zusammenhängende – erhöhte Komplikationsrate bei der Geburt.

Das relativ häufige Vorkommen dieser Form von niedrigem Blutdruck ist überraschend. Denn ihr Mechanismus ist bekannt: Zu ihren Einzelsymptomen zählen Gefäßlabilität, Verstopfung und eine Unterfunktion der Eierstöcke. Die kritische Minderversorgung der Gebärmutter mit Blut beruht auf der Gewichtszunahme des Fötus, der die Hohlvene und die Schlagader (Aorta) im Becken zusammendrückt.

Als Frühgeburt gilt ein lebendes, nach weniger als 37 Wochen Schwangerschaft zur Welt gebrachtes Kind, dessen Geburtsgewicht weniger als 2500 Gramm beträgt. Die Sterblichkeit der frühgeborenen Kinder liegt, je nach den sozialen Verhältnissen, zwischen 20 bis 70 Prozent. Sie ist damit etwa zehnmal höher als bei einem ausgereiften Neugeborenen. Die mindere Überlebenschance geht zumeist auf die funktionelle und strukturelle Unreife der inneren Organe zurück.

Die überlebenden Frühgeburten wiederum sind keineswegs "über den Berg". Sie leiden, oft bis ins Erwachsenenalter hinein, an einer Verzögerung der körperlichen und geistigen Entwicklung. Schätzungen von Experten zeigen, daß sechs bis 14 Millionen Amerikaner von solchen Retardierungen betroffen sind.

Erfreulicherweise gehen inzwischen nicht nur mehr schwangere Frauen zum Arzt – sie kommen, wichtiger noch, auch früher. Dies ist ein Resultat der unlängst publizierten "Münchner Perinatal-Studie", die zwischen 1975 und 1977 mehr als 55 000 Geburtenschicksale erfaßte. So sank im Großraum München der Anteil kranker Säuglinge von 171 auf 126 pro zehntausend Geburten.