• Bundesernährungsminister Ertl klagte jüngst über ,,exorbitant" hohe Handelsspannen bei Obst. Zahlen die deutschen Verbraucher zuviel für heimische Früchte und Gemüse?

Schluß: Ich glaube das nicht. Gerade bei Obst und Gemüse wie auch im gesamten Lebensmittelhandel herrscht ein fast modellmäßiger Wettbewerb, und zwar nicht nur zwischen den verschiedenen Geschäftstypen, sondern auch zwischen den verschiedenen Produkten, zwischen denen der Verbraucher ja sehr schnell und sehr preisbewußt wechselt. Das ist das eine. Das andere: Der Verbraucher in der Bundesrepublik hat sicher mit das beste, das heißt das vielseitigste, qualitativ hochwertigste und am bequemsten verfügbare Obstangebot. Das kostet natürlich seinen Preis. Wir sind sicherlich nicht für hohe Handelsspannen und damit für hohe Preise, aber wir sind natürlich für ein verbrau-, chergerechtes Angebot.

  • Dann liegt es vielleicht auch am Verbraucher, sich zu entscheiden, was er will?

Schlier: Die Höhe der Handelsspanne hängt hier wie überall, wo ausreichend Wettbewerb herrscht, wesentlich von den Verbrauchern selbst ab, nämlich von seinen Ansprüchen. Der Handel bietet .ja nur die Leistungen, die der Verbraucher wünscht und bezahlt. Und ebenso, wie er bei der Mode eine riesige Differenzierung wünscht – mit der Folge von Handelsspannen von über hundert Prozent –, so ist es auch bei Obst und Gemüse. In diesen Spannen drücken sich vor allem die hohen Ansprüche, die Wünsche nach differenzierter Qualität und nach umfassender Verfügbarkeit aus. Deshalb auch sind die Preisunterschiede schen den einzelnen Obstarten und zwischen den einzelnen Geschäften höher als die Handelsspannen.

  • Nun sind ja die Agrarpreise im ersten Halbjahr 1980, so Herr Ertl, nur um 3,7 Prozent gestiegen. Haben wir den deutschen Bauern das im Vergleich niedrige Preisniveau bei den Lebenshaltungskosten zu danken?

Schlier: Es wird immer wieder versucht, mit Hinweisen auf solche Dinge das eigentliche Problem der Verantwortlichkeit für verfehlte und preistreibende Agrarpolitik zu verniedlichen. Der einzige Teil der Preise, der politisch gestaltet wird, ist der Erzeugerpreis. Insofern sind die Bauern nicht die Preistreiber, aber auch nicht die Preisstabilisatoren, sondern sie kriegen quasi Mindestpreise von den Politikern vorgesetzt und dies auf zu hohem Niveau. Von daher sind die Politiker die Preistreiber. Auch zwei oder drei Prozent bei einem so wichtigen Ausgabenblock sind eindeutig inflationsfördernd.

  • Kann man denn sagen, daß diese drei Prozent wirklich echt sind, wenn man bedenkt, daß der Steuerzahler ja das Grüne Europa finanziert?