• Herr Buchheim, was war Ihre erste Reaktion nach der Lektüre des Briefes von Herrn Steingräber?

Buchheim: Mir hat es den Atem verschlagen, und ich habe mir an die Brust gegriffen. Nach zwei Herzinfarkten bin ich für so wilde Gehässigkeiten kein sehr standfestes Ziel mehr.

Der Scheinheiligkeit und Borniertheit geziehen zu werden – vom Generaldirektor der Bayerischen Museen – das verschafft mir just die Adrenalinstöße, die ich gar nicht brauchen kann. So etwas geht mir an die physische Existenz.

Scheinheiligkeit! – Ich scheinheilig? Im Amt dieses Generaldirektors scheint es überhaupt keine Kommunikation zu geben. Er hatte ja das Interview im Hause! Just weil ich nicht scheinheilig bin und keinen Dolch im Gewand trage, habe ich den Interview-Text Herrn Dr. Dube, dem zuständigen Museumsdirektor, zu lesen gegeben. Er hat mich auf einen Fehler aufmerksam gemacht.

Ich sagte mir: Offen sein! Sorgfältig sein! Keinen Lapsus durchgehen lassen! Ich wollte ja und das wird dieser Herr Generaldirektor, wie ich jetzt vermuten muß, wohl nie begreifen – mit der offenen Rede dieses Interviews dem Museum hilfreich sein, einige zuständige Leute mit der Nase darauf stoßen, daß diese Post-Festum-Nazikulturpflege, daß die schändliche Herabwürdigung moderner revolutionärer Kunst durch ihre Verbannung an die Wände des Münchner Nazi-Kunsttempels so nicht weitergehen kann. Ich wollte Ministerialbeamte aus ihrer seit Jahrzehnten gepflogenen Indolenz hochschrecken – und zwar nicht gegen das Museum, sondern zum Nutzen der Museumsleute.

Den Brief des Generaldirektors weiterlesend stieß ich auf die Drohung: "Werde Ihnen die gebührende Antwort erteilen – an anderer Stelle!"

Herr im Himmel, diesen Ton habe ich noch allzu schrill im Ohr. Diesmal kommt er vom Generaldirektor der Bayerischen Museen. Ausgerechnet ich, der ich alles, was ich nur konnte, für die Bilder getan und nie etwas vom Museum gefordert habe, werde von diesem Mann bedroht.