Daß die Liebe zur Partei die stärkste Emotion im Leben eines Genossen sei, wird man von Karl Schiller nicht gerade sagen können. Aber die alte Zuneigung ist wohl nie ganz erloschen, und über die Jahre hinweg hat sich mit manchem kleinen Schritt vorbereitet, was jetzt besiegelt worden ist: die Rückkehr des ehemaligen Superministers für Wirtschaft und Finanzen in die SPD – unmittelbar vor der Wahl, fast ein zu geschickt ausgesuchter Termin.

1972 hingegen, als Schiller sein Amt im Zorn verließ, schien der Bruch für immer besiegelt. Nichts Geringeres als Streit um marktwirtschaftliche Prinzipien war damals Grund und Anlaß für den Rücktritt. Daß der Konflikt in einem Wahljahr kulminierte, traf die Sozialdemokraten schwer, auch wenn sie dann ihren bisher höchsten Stimmenerfolg erzielten. Lange nicht vergessen wurde auch der Stil, in dem der ebenso selbstbewußte wie empfindsame Minister den Streit führte: wie ein Star, der er ja war, gegen Statisten.

Freilich, zum Kronzeugen, der Oppositionist Schiller nie geworden, auch wenn er sich zeitweise mit Ludwig Erhard zu einer Kampagne zur Verteidigung der Marktwirtschaft, zusammenfand. Schon wenige, Jahre nach dem Eklat sprach; er davon, daß es in der Bundesrepublik eine Kombination von marktwirtschaftlicher Freiheit und sozialstaatlicher Ordnung gebe, die auch zur Bewältigung der Zukunftsaufgaben taugen müßte: Aus seinem fachmännischen Respekt für Helmut Schmidt machte er keinen Hehl.

Auch die SPD hat die Wiederannäherung nach und nach diskret gefördert. Immerhin, zählt Karl Schiller zu den Autoren des Godesberger Programms, immerhin war er strahlendes Symbol ihrer wirtschaftspolitischen Kompetenz und hat ihr zum Regierungswechsel von 1969 verholfen. Zwar setzt seine Rückkehr kein so eindringliches Signal wie der Rücktritt 1972; auch haben seinen Platz längst andere eingenommen, allen voran der Kanzler selber. Aber für die SPD ist diese Rückkehr so etwas wie eine Selbstbestätigung und für Karl Schiller, auch wenn er gewiß nicht als reuiger Sünder kommt, wohl so etwas wie ein Bekenntnis. C.-C.K.