Vier Monate nach seiner letzten Kabinettsumbildung sah sich Ministerpräsident Adolfo Suarez erneut gezwungen, ein weitreichendes Kabinetts-Revirement vorzunehmen: Auf zwölf Posten wurden die Plätze getauscht, acht Minister verloren ihre Ämter.

Viele alte Bekannte, die schon einmal am Kabinettstisch saßen, zogen erneut in Ministeretagen ein. Das Stühlerücken spiegelt einen Machtverlust des spanischen Regierungschefs wider. Er mußte sich zum ersten Male auch persönlichen Widersachern beugen.

Großer Verlierer des Revirements ist der bisherige Wirtschaftsminister Abril Martorell, der über drei Jahre den Kurs der spanischen Wirtschaftspolitik bestimmte. Das Ende der "Ära Abril" läutet zugleich einen Kurswechsel in der spanischen Wirtschafts- und Finanzpolitik ein: Wo bisher nicht ohne Erfolg gegen die Inflation gekämpft worden ist, erhält nun die Ankurbelung der Wirtschaft Priorität. Nach einer Prognose der Bank von Spanien wird das spanische Bruttosozialprodukt im letzten Jahresdrittel soweit, absinken, daß fast von einem Minus-Wachstum gesprochen werden kann;

Der bisherige Europa-Minister, Leopöldo Calvo Sotelo, soll nun das Ruder der spanischen Wirtschaft in die Hand nehmen. Calvo Sotelo gilt als einer der einflußreichsten Politiker innerhalb der Regierungspartei UCD.

Sein Aufstieg bedeutet einen Machtverlust für den Regierungschef, der sich gerne mit einer Clique persönlicher Freunde umgab. Von Calvo Sotelo, der die insgesamt fünf Kabinetts-Revirements seit 1976 noch am besten überstand, war oft Kritik am Regierungsstil von Adolfo Suarez zu hören. Nun hat Spaniens Regierungschef sein politisches Schicksal mit dem Geschick seines neuen Wirtschafts-Ministers verbunden.

Nicht nur der neue Chef der Wirtschaft, sondern auch zwei einstmals geschaßte Minister können Suarez als Nebenbuhler gefährlich werden: Rodolfo Martin Villa, der in drei Kabinetten spanischer Innenminister war, kehrt als neuer Minister für die Regionen in die Exekutive zurück. Als einer der "starken Männer" innerhalb der UCD verkörpert Martin Villa den "sector azul" der Partei, jene alten Franco-Mitläufer, die mit intimer Apparat-Kenntnis und vielfältigen Beziehungen in der Demokratie Karriere machen wollen.

Dies gilt nicht für Fernandez Ordonez, der als ehemaliger Finanzminister eine durchgreifende Steuerreform einleitete, die am Widerstand einer mächtigen Kapitallobby scheiterte. Der streitbare Sozialliberale wurde gegen den Widerstand des katholischen Klerus zum neuen Justizminister berufen. Fernandez Ordonez wird sich in einem der schwierigsten Ämter, das Suarez zu vergeben hatte, um die Reform des Ehescheidungsrechts und um die Vorlage zahlreicher Einzelgesetze kümmern, mit denen die Versprechen der spanischen Verfassung eingelöst werden sollen. Die Entlassung des bisherigen Außenministers Marcelino Oreja ist als größte Sensation dieses Kabinetts-Revirements empfunden worden. Wie Abril Martorell war auch Oreja ein enger Freund des Regierungschefs.