Von Erich Krämer

Weinlokale, mehrsternige Restaurants, Fachwerkhäuser, romanische Kirchen – sie waren einmal nicht obligatorisches Ziel einer Elsaß-Fahrt, sondern im Vordergrund stand die Kulisse all dieser Herrlichkeiten: der Kamm der Vogesen.

Die Vogesen sind ihrem Nachbarn, dem Schwarzwald, in vieler Hinsicht verwandt, aber bei weitem nicht so "touristisch erschlossen". Vor allem nicht dem Wanderer, der auf der rechten Seite des Rheins, im Schwarzwald, tagelang auf gepflegten Fernwegen über die Höhen wandern kann, immer wieder Gasthäuser findet und Gleichgesinnte trifft.

Links des Rheins in den Vogesen aber gibt es keine solche Strecke wie den Schwarzwälder "Westweg", zumindest keine Wegführung, die es an Beliebtheit mit diesem aufnehmen könnte. Wohl führt ein "Weitwanderweg", wie ihn die französische Karte der "sentiers de grande raudonnée" übersetzt, unter der Bezeichnung GR 53 und später GR 5 von Weißenburg an der Grenze zur Pfalz über die Vogesen, Richtung Mittelmeer, aber dieser Weg folgt nicht kosequent der Nord-Süd-Richtung. Er steigt von den Vogesen mehrfach hinunter in die Rheinebene, wohl doch des Weines wegen.

Ich suchte mir also meinen eigenen Weg, der allerdings öfter mit der GR 5 identisch war. Zuverlässige Hilfsmittel für die Wanderung von Zabern nach Beifort waren die Wanderkarten des Club Vosgien im Maßstab 1 : 50 000, fast genauso zuverlässig die dazugehörigen Wegmarkierungen, die den Wanderer nur in seltenen Fällen im Zweifel darüber lassen, wohin der Pfad nun führt.

Ausgangspunkt der Nord-Süd-Wanderung ist Zabern, etwa 50. Kilometer westlich von Straßburg, Langsam steigt der Weg vorbei an den Ruinen von Hochbarr, Groß- und Klein-Geroldseck, die auf bizarren Sandsteinfelsen thronen, durch alte Eichenwälder am Brotschberg, über schmale Felspfade am Geisfels nach Süden. Im Westen sieht man den Dabo. Eine Kapelle aus dem vorigen Jahrhundert erinnert an einen Papst, der aus der Dachsburg stammte, die einst diesen Sandsteinfelsen krönte. Am Abend wird der kleine Weiler Windsbourg erreicht. Die als "Auberge" auf der Karte eingezeichnete kleine Kneipe erwartet keinen Wanderer und hat keine Fremdenbetten. Die freundliche Wirtin aber bat ein Einsehen, sie möchte dem Wanderer bei beginnendem Regen einen Weitermarsch zum "Hotel Schneeberg" nicht zumuten. Eines der Kinderzimmer wird frei gemacht.

Endlose Wälder auch am zweiten Tag, ein besonders schöner Pfad vom Forsthaus Hengst entlang dem Eichkopf und dem 968 Meter hohen Krossmann, dessen steiler Westhang einem Urwald ähnelt. Über den Donon und den Tête des Bipierre wird am Abend ein winziges Dörfchen namens Salm erreicht, das aus zwei Forsthäusern, drei Bauernhöfen und, Gott sei Dank, einem freundlichen kleinen Gasthaus besteht, eingerahmt von bunten Wiesen und blühendem Ginster. Der Ortsname Salm erinnert an ein Fürstentum dieses Namens, das noch im 18. Jahrhundert bestand. Eine Ruine im Wald, in der Wirtsstube eine alte Landkarte sind letzte Zeugen.