Wenn in der französischen Geschäftswelt der Name Willot fällt, dann rümpfen viele Leute die Nase — u n d das aus gutem Grund. Denn die Brüder Bernard, JeanPierre, Antoine und Regis Willot haben so oft im schlechten Sinne von sich reden gemacht, daß sie heute einen Hauch von Hautgout nicht mehr loswerden. Seit einigen Wochen allerdingswird nicht mehr über ihre Glaubwürdigkeit spekuliert, sondern über ihre leeren Kassen.

Die Willots sind Herren über einen der größten Textil- und Hahdelskpnzerne im Lande, der 45 000 Mitarbeiter beschäftigt und (sofern die Zahlen stimmen) über zwölf Milliarden Francs Umsatz macht. Diesen gigantischen Gemischtwarenladen haben sie allerdings mit Methoden aufgebaut, die nicht ganz sauber waren.

Das bescheinigen sogar die Gerichte, die die "vier Musketiere" wegen Delikten wie Bilanzfälschung und Unterschlagung zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verdonnerten. Gelegentlich mahnte auch die amtliche Börsenaufsicht vergeblich längst fällige Bilanzen an oder stieß bei deren Studium auf höchst unkonventionelle Bewertungsmethoden, Und noch eine Spezialität hat das einträchtige Kleeblatt: Es ist wenig: zimperlich bei Entlassungen; die Spitzehmanager dagegen gehen meist von selber.

Die jüngste Nachricht aus dem nicht gerade übersichtlichen Hause Willpt besagt, daß bis zu 2000 Arbeiter entlassen werden sollen, nachdem in den letzten beiden Jahren bereits 4000 Belegschaftsangehörige ihren Job verloren haben. Schuld daran ist kurioserweise der Expansionsdrang der vier unzertrennlichen Brüder; dena mancher große Brocken hat sich als unverdaulich erwiesen. So zum Beispiel das ErbVdes bankrotten Textilkönigs Marcel Boussac, das die Willots im August 1978 mit ausdrücklicher Unterstützung durch die Pariser Regierung erwarben. Seitdem wird restrukturiert und reorganisiert, doch die Millionenverluste im Textilbereich sind geblieben. Sie ließen sich bisher durch den Verkauf von Grundstücken und durch die Gewinne im Handelsbereich leidlich decken. Die Kaufhäuser Bon Matche" und La Jardiniere sowie die Möbelkette Conforama sind nämlich ertrag reiche Unternehmen. Doch auf längere Sicht ist das keine Lösung !(em Wunder, daß seit Monaten davon die Rede istdie Willots müßten da Modehaus Christian Dior, das zum BoussaErbe gehörte, veräußern Noch ein zweiter Brocken ist den vier Brüdern aus Eile im Hals stecken geblieben! die amerikanische; Kaufhauskette Corvettes, die sie erst vor zwei Jahren erstanden Doch die Schulden sind mittlerweile so hoch geworden, daß die amerikanischen Banken mit der Einstellung ihrer Zahlungen drohten, wenn nicht umgehend Liquidität aus Europa in die Corvettes Kassen käme. Das ist mittlerweile geschehen, doch der Geschmack an amerikanischen Abenteuern ist den Willots vergangen. Sie suchen Käufer für ihre Daß aueh die Pariser Bankiers dasunsolide Spiel fticht :s ehr mitmächen wollen, hat noch einen: ärwferesB Grund: die merkwürdige PersonalPolitik der; Konzernherren. Nach: dem Erwerb von Bpussäc engagierten sie einetfBrillanten jungen Technokraten namens Jayques :

Därmon als ersten Mann für den TextilbereichV Das galt als Zeichen dafür, daß die" mittelalterlichen Geschäftsmethodeö der Willots langsam eingemottet würden. Doch ; Darmon nahm: schoij nach einem Jahr seinen Hut, und Bezeichnenderweise blieb sein Posten unbesetzt. Nicht viel geordneter ging, es an der Spitz voa Corvettes zu. Im Früh jähr "wüKjeJoKis, ein ehemaliger ChryslerrManagerjalim Boß erkoren, nachdem sein französischer Vorgänger schon nach ein paar- Monatengefeuert wurde. Der gebürtige Korse R is<wolltfe rigoros sanieren und stieß damit bei seinen Pariser Partnern auf taube Ohren. Nach drei Monaten warf er das Handtuch;- Das war am 10. August dieses Jahres. Die Banken in "New York drohten den WUlots mit Kofisequenzen — nd zwei Tage später war Ris erneut Chef bei Gorvettes, Derartige Methoden zur Führung eines Riesenkonzerns sind auch in Frankreich äußerst "unkonventionell". Wie allerdings die Banken angesichts der hohen Verschulduog der WillotGruppe tatenlos mitansehen konnten, wie; mit ihrem Geld gewirtschaftet wird, ist mindestens genauso merkwürdig. Neuerdings scheinen sie die unbeugsamen Brüder zum Verkauf einiger Immobilien zu drängen, um die Kasseulage zu verbessern.

Auch der Verkauf von Dior dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. Aus den Großkaufhäusern der siebziger Jahre werden dann Verkäufer von Unternehmen en gros geworden sein. Und Vliese Bilaaz jhr Wirkens wird sich kaum