... drängeln Menschen sich vor, auch dort, wo es gar keinen Sinn gibt? Beim Zugang zum Flugzeug zum Beispiel, das ja ohnehin keine Stehplätze bereithält und dessen Sitte meist auch fest verteilt sind. Egal, ob "D 8" auf die Bordkarte geklebt wurde – gedrängelt wird, die Reisetasche dem anderen in die Kniekehle, irgendwas Sperriges vor die Beine, ein Schirm vor die Hüfte – der andere ist der Feind, und die (bereits verteilte) Beute muß gesichert werden.

Man beobachte einmal die feindseligen Blicke, mit denen jeder neu hinzusteigende Reisende in der Bahn gemustert wird – das ist doch "mein" Abteil! Wer dazukommt, das ist der Feind; höchst belästigt werden Zeitungen fortgeräumt, Apfelsinenschalen eingesammelt, und höchst ostentativ wird die Frage "Ist hier noch frei?" nicht beantwortet oder mit einem "Ich weiß es auch nicht genau" benuschelt.

Der fremde Mensch der böse Mensch? Plötzlich ist die Dame, die eben erst in Hildesheim dazustieg, Familienmitglied; mit ihr zusammen, deren Eintreten noch vor 55 Minuten so plötzlich störte, blast man leichte Empörung durch die Nasenflügel; Nie kann man von Fremden unbelästigt reisen. Schwimmen auch nicht – wer je ein öffentliches Schwimmbad besuchte, weißt Oberste Regelist, sich sofort eine "eigene Bahn" zu erobern, den Besitzanspruch durch heftiges Kraulen, Rückenschwimmen oder Schmetterlingsstil zu dokumentieren: Hier schwimme ich, und niemand hat meine Bahn zu kreuzen.

"Eigentum ist Diebstahl", hat einer mal gesagt; ist dieser platzgreifende Raub Vorzelle von Eigentum? Braucht der Mensch sein Haus – wie die Schnecke das ihre, wie der Löwe sein Revier, das er umpinkelt und in das bei Strafe des Gefressenwerdens kein anderes Tier eindringen darf? F. J. R.