Babylon in der Klasse

Eine "multinationale Auffangklasse" sollte die Hamburger Volks- und Realschullehrerin Sabine Manke zu Beginn des gerade angelaufenen Schuljahres übernehmen. Unter den zwanzig Ausländerkindern befanden sich – wie sollte es anders’sein? – zwölf Türken. Ein Gespräch zwischen der Lehrerin und den Schülern ist kaum möglich. Die Gruppe der türkischen Kinder ist zu groß, als daß der Zwang entstünde, Deutsch zu lernen. Sie unterhalten sich munter weiter in ihrer Muttersprache. Diese wiederum beherrscht die Lehrerin nicht, also müssen die anderen, Koreaner, Äthiopier und Chinesen, in der Klasse sehen, wo sie bleiben. Nun ist das Sprachproblem, vor allem bedingt durch die vielen Türkenkinder, nicht neu. Dutzende von Lehrerinnen und Lehrern finden sich in der gleichen Lage wie Sabine Manke. Um so erstaunlicher, daß kürzlich der Senat der Hansestadt ein Angebot der Universität in den Wind schlug, Lehrern zusätzlich Sprachkenntnisse zu verschaffen. Ein von der Universität angebotener, drei- bis viersemestriger Studiengang "Zusatzausbildung für Lehrer von Ausländerkindern" mußte mangels Masse wieder gestrichen werden. Erst dreißig, dann, um die Schulbehörde zu locken, fünfzehn Lehrer hätten ihn zwar gern wahrgenommen, doch der Hamburger Senat fand sich nicht bereit, auch nur einen von ihnen vom Unterricht freizustellen. Unterdessen steigt der Ausländeranteil an den Schulen weiter an. Fast jedes dritte Kind, das 1985 in Hamburg geboren wird, wird türkische, italienische, spanische oder portugiesische Eltern haben.

An die Krone

Ratingen, ein schönes Städtchen bei Düsseldorf, tut sich mit dem Umweltschutz schwer. Vor knapp einem Jahr wurden gegen den erklärten Willen von rund fünftausend Bürgern 300 alte, wertvolle Laubbäume gefällt, um eine Ausfallstraße autogerechter zu machen. Doch nicht genug damit – jetzt haben die Holzfäller wieder zugeschlagen. Diesmal im Auftrag der Bundesbahn – einigen Hunderten, von Pappeln soll es an die Krone gehen. Sie stehen am S-Bahn-Damm und gefährden angeblich den Betrieb der Bahn. Den großen Parteien, die im Rat der Stadt vertreten sind, scheint der Umweltschutz gleichgültig zu sein. Sie lassen die Bürger mit ihren Protesten allein – zumal die Grünen bei der letzten Kommunalwahl knapp unter der Fünf-Prozent-Klausel blieben. Umweltschutz ist ein schwierig Ding hierzulande – den protestierenden Bürgern bleibt keine andere Wahl, als bei der nächsten Wahl die etablierten Parteien aus dem Rathaus zu jagen.

Die Besten in der DDR

Den Professoren wird Mittelmaß. vorgeworfen, ihnen wird Acht-Stundentag-Denken zur Last gelegt und angekreidet, sie förderten den wissenschaftlichen Nachwuchs nicht genügend. Zugleich wird empfohlen, den Begriff "Elite" nicht länger zu stigmatisieren. Nein, es handelt sich nicht um einen Angriff der westdeutschen Wirtschaft auf eine der hiesigen Reformuniversitäten. Auch in der DDR ist die Kritik an mangelnder Leistung voll entbrannt. Kurz vor der in diesen Tagen stattfindenden "V. Hochschulkonferenz der DDR" hat der Leiter der Abteilung Jugend und Bildung am Leipziger Zentralinstitut für Jugendforschung, Georg Mehlhorn, festgestellt: "Elitär bedeutet nicht, wie oftmals geglaubt wird, abgesondert, sondern; Auswahl, Auslesen, die Besten, In diesem Sinne benötigen wir eine Elite." Mit dieser Wörterbuchdefinition sagt Mehlhorn nun nicht gerade etwas Neues. Doch der Zeitpunkt erlaubt gewisse Schlüsse; Da es in der DDR schon immer Spezialschulen, Wissensolympiaden und Leistungsstipendien gegeben hat, deutet die Einführung der Elitendiskussion kurz vor der Hochschulkonferenz auf eine weitere Verstärkung des Ausleseprinzips in der DDR hin. Industriegesellschaften haben eben ihre eigene, von der Ideologie weitgehend unabhängige Logik.