Im "Gespräch am Bankschalter" Nr. 38 wurden die Chancen der deutschen Kohle-Aktien untersucht. Diesmal ist von jenen Unternehmen die Rede, die aller Voraussicht nach maßgeblich an der Erschließung weiterer Kohle-Felder und am Bau von Kohlevergasungs- und -hydrieranlagen beteiligt sein werden.

Die Dresdner Bank hat eine Studie über den Investitionsbedarf der Energiewirtschaft und seine Finanzierung vorgelegt. Daran wird auch geschätzt, welche Mittel der deutsche Steinkohlebergbau und die Kohleveredelung in den nächsten zwei Jahrzehnten auf sich ziehen wird. Selbst wenn berücksichtigt wird, daß alle Aussagen über den voraussichtlichen Investitionsaufwand in diesem Bereich mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind und sich Voraussagen über den zu erwartenden Energiebedarf bisher immer als mehr oder weniger falsch herausgestellt haben, zeichnet sich in diesem Bereich ein geradezu gigantisches Auftragspotential ab. Wenn auch große Teils des Maschinen- und Anlagebaus künftig eher stagnieren, so besitzen doch alle Unternehmen, die sich im Bereich von Energieinvestitionen betätigen, erhebliche Wachstumschancen; ihre Papiere sind deshalb im Börsensinne als "zukunftsträchtig" zu bezeichnen.

Im deutschen Steinkohlebergbau werden nach Meinung der Dresdner Bank die nächsten fünf Jahre durch Ausschöpfung des derzeitigen Liefer- und Abbaupotentials gekennzeichnet sein. Danach wird durch die neuen Einsatzmöglichkeiten der Kohle auch eine Erweiterung der Förderkapazität zwingend notwendig.

Für den Zeitraum der Jahre 1980 bis 1985 ist das Gesamtvolumen der Investitionen des deutschen Steinkohlebergbaus auf 20 bis 22 Milliarden Mark errechnet worden; bis 1990 steigt dieser Betrag auf 40 bis 50 Milliarden an. Einschließlich der Investitionen für Anlagen zur Kohlevergasung und -verflüssigung erscheint der Dresdner Bank ein Investitionsvolumen zwischen 100 und 150 Milliarden als "nicht unrealistisch".

Zur Zeit sind in der Bundesrepublik sieben Großversuchsanlagen zur autothermen Kohlevergasung und zwei kleinere Anlagen zur Vergasung unter Nutzung von Kernreaktorwärme teils in Bau und teils bereits in Betrieb. Eine Großanlage zur konventionellen Kohlevergasung könnte bis 1985/87 errichtet werden. Dagegen wird das nukleare Vergasungsverfahren erst gegen Ende des Jahrhunderts zur Verfügung stehen. Es bietet erhebliche Vorteile, da bei gleicher Gasproduktion etwa ein Drittel weniger Einsatzkohle erforderlich ist. Auf dem Gebiet der Hydrierung sind in der Bundesrepublik zwei Großversuchsanlagen in Bau und zwei großtechnische Anlagen in Vorbereitung. Außerdem besteht eine internationale Zusammenarbeit mit den USA.

Die Investitionskosten einer ersten Betriebsanlage mit einem Einsatz von 1,5 Millionen Tonnen Steinkohle werden bei fünfjähriger Bauzeit auf rund 1,1 Milliarden Mark geschätzt.

Ob und in welcher Zeit sich alle geplanten Projekte realisieren lassen, hängt nicht zuletzt von den Einsprüchen ab, die gegen ihren Bau aus Umweltschutzgründen eingelegt werden. Sie machen den Bau lebenswichtiger Großanlagen zur Zeit zum Lotteriespiel. Daran wird sich nichts ändern, solange in der Gesetzgebung aus wahltaktischen Gründen Rücksicht auf Minderheiten genommen wird, obwohl sie mit ihrer destruktiven Haltung die Mehrheit unaufhörlich erpressen.