Die Volksabstimmung über die neue Verfassung brachte das erwartete Ergebnis für Pinochet.

Mehr als 67,5 Prozent der chilenischen Wähler stimmten für die neue Verfassung. Sie wird zwar im März 1981 offiziell in Kraft treten, erlangt jedoch erst 1989 Gültigkeit. Bis 1989 regiert General Pinochet, der seit 1973 an der Macht ist. Erst dann wird es zu Präsidentschafts- und Parlamentswahlen kommen. Solange bleiben die Parteien verboten und die Meinungsfreiheit unterdrückt. Pinochet hat – weiterhin die Vollmacht, den Ausnahmezustand beliebig zu verlängern.

Keine Einigkeit ist darüber zu erzielen, wie das Wahlergebnis zu bewerten ist. Pinochet hält es für eine korrekte demokratische Entscheidung und fühlt sich in seinem "Kreuzzug gegen den Kommunismus" bestätigt. Die Militärregierung hatte die Volksabstimmung mit Bedacht auf den siebten Jahrestag des Staatsstreichs gegen das Regime Allende gelegt, um diesen "zweiten Sieg über den Marxismus" feiern zu können.

Gegner, der Militärdiktatur behaupten hingegen, Pinochet habe den Wahlsieg mit betrügerischen Mitteln errungen. Schließlich lief das Referendum unter den Bedingungen des Ausnahmezustands ab: Zu Pinochets Großkundgebungen wurde das Publikum in Sonderzügen gebracht, der frühere christdemokratische Staatspräsident Eduardo Frei hingegen konnte am Vorabend der Wahl nur in einem klei-Gewerkschaftsbüro gegen das Referendum der Regierung sprechen. Unter diesen Umständen wiegen 30 Prozent Nein-Stimmen schwer.

Für die politische Sensation hatte Pinochet am Abstimmungstag gesorgt. Er gab bekannt, er werde sich 1989 nicht zur Wahl stellen. Diese überraschende Vorankündigung führt die Opposition auf Zwistigkeiten im Offizierskorps zurück.