Wo im Moment über Kunst gesprochen wird, da wird nicht über Kunst gesprochen, sondern über die Sammler. Zunächst war Lothar-Günther Buchheim das Thema. Als der vor Ärger über ein freimütiges Buchheim-Interview hysterisch gewordene Direktor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Erich Steingräber den Leihgeber der großen Expressionisten-Sammlung mit seinen Bildern vor die Tür setzen wollte, schrieen Buchheim und die Nation auf, zu Recht (ZEIT Nr. 38/80).

Kaum hatte aber der bayerische Kultusminister Maier seinen Direktor zurückgeflötet und ihn zur Strafarbeit eines Fast-Entschuldigungsbriefes an Buchheim bestimmt, da kam aus Köln eine kühlere, gleichwohl noch explosivere Kunde. Peter Ludwig, der größte Aufkäufer zeitgenössischer Kunst überhaupt, hat, den Vorschlag gemacht, seine Sammlungen in eine Stiftung einzubringen, an der sich der Bund, Nordrhein-Westfalen und die Stadt Köln beteiligen sollen.

Ebenfalls nicht ohne latente Sprengkraft wird schließlich die am 19. September in Düsseldorf stattfindende Doppelpremiere der Sammlung Panza sein: aus den reichen Beständen der Kunst der sechziger und siebziger Jahre, die sich im Besitz des Mailänder Industriellen Graf Guiseppe Panza di Biumo befinden, wird im Kunstmuseum und in der Kunsthalle eine Auswahl gezeigt, in der Kunsthalle folgt ab Oktober ein dritter Teil, im Haus der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ist für das Jahr 1981 eine Ausstellung des Sammlungsteils der fünfziger Jahre geplant. Natürlich hofft man in Düsseldorf, aber nicht nur dort, schließlich auf etwas dauerhaftere Leihgaben des Grafen.

Der Reigen – im Französischen als Contredanse bekannt – der Sammler und Museumsdirektoren ist in vollem Gange, hier mit gelegentlichen Tritt vors Schienbein des ungeliebten Wunschpartners, dort mit keuschen Verwahrungen vor Indiskretionen, die dann ein wenig später, so kennen wir’s, wenn’s um die Liaison eines Königskindes geht, wie selbstverständlich bestätigt werden.

Während Buchheim nun seine Sammlung selber abhängen und pikanterweise in derselben Stadt, aber in einem Museum außerhalb des Hoheitsbereichs des Direktors der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zeigen, von dort auf Reisen in die Welt und dann in "den besten Stall schicken" will, der ihr inzwischen bereitet wurde, spricht Ludwig von einer "Initialzündung", die er in der von ihm vorgeschlagenen Stiftung sieht.

Daß Buchheim von einem "Stall" spricht, ist keine Zufallsmetapher, denn in der Münchener Lenbach-Galerie steht oder hängt bereits der "Blaue Reiter", und hier "Die Brücke" anzufü-

Der Plan von Ludwig hingegen ist von wohldurchdachter Megalomanie. Er selber würde in diese Stiftung seine von Wien bis Paris und Aachen bis Ost-Berlin verstreuten Kunstsammlungen einbringen, zu denen auch mittelalterliche Handschriften und präkolumbianische Kunst gehören und deren Wert auf mehrere hundert Millionen Mark geschätzt wird. Köln allein kommt durch die sammlerische Potenz von Ludwig in Bedrängnis. Der Fabrikant, der 1969 mit hundert Dauerleihgaben hochwillkommen war, sprengt inzwischen das für ihn bis 1985 zu erbauende Museum Ludwig mit seinen Ankäufen schon im voraus. Die Stadt dürfte aufatmen, wenn sie ihre die Leistungsfähigkeit einer Kommune übersteigenden Aktivitäten national absichern könnte. Der Bund hätte die Möglichkeit, einen Teil der Gelder der Nationalstiftung, die einerseits brach liegen und andererseits von jedem Kleinkrämerverein bereits reklamiert werden, in einem wirklich großen Zusammenhang einzusetzen. In Schwierigkeiten käme in erster Linie das Land Nordrhein-Westfalen, das für eine in die Stiftung einzubringende Summe einen gleich hohen Betrag für die anderen Museen des Landes aufbringen müßte.

Und natürlich fangen die monströsen Schwierigkeiten überhaupt erst an, die juristischen, finanziellen und kulturpolitischen Komplikationen, das Gerangel und die Eifersüchteleien. Köln würde, wenn der Coup gelingt, von einer heimlichen zu einer offiziellen Hauptstadt der Kunst. Warum eigentlich nicht? Petra Kipphoff