Detroit tritt den Japanern mit neuen Managern und Modellen entgegen

Von Jes Rau

Weres darauf abgesehen hat, bei General Motors in die Führungsspitze vorzustoßen, "muß sich einer Maschinerie unterwerfen, die die Persönlichkeit abschmirgelt wie Sandpapier", formulierte einmal der amerikanische Konsumentenanwalt Ralph Nader. "Wer einen einzigen GM-Mann gesehen hat, hat sie alle gesehen." Die zwei Männer, die Anfang nächsten Jahres die Führung des weltgrößten Autokonzerns übernehmen werden, entsprechen, was ihrem Auftreten anbelangt, zumindest auf den ersten Blick ganz jenem Typ des GM-executive, der geformt ist durch die auf dem Konsensus vieler beruhende Führungsphilosophie des Konzerns und durch eine Organisationsstruktur, die durch die Vielzahl von Kontrollinstanzen und Arbeitskomitees gekennzeichnet ist. Männer von charismatischer Ausstrahlungs- oder visionärer Kraft sind sie sicher nicht: weder Roger B. Smith, der ab 1. Januar den in den Ruhestand tretenden Thomas A. Murphy als Vorsitzenden und Unternehmenschef ablösen wird, noch F. James McDonald, der am 1. Februar in die Fußstapfen von Elliott M. Estes treten wird, dem jetzigen Präsidenten von GM.

Wie ihre Vorgänger haben Smith und McDonald ihre gesamte berufliche Karriere bei General Motors hinter sich gebracht. Smith stieß direkt vom College zu General Motors, während McDonald als 18jähriger sein Ingenieurstudium am konzerneigenen "General Motors Institut" in Detroit begann. Auf dem Weg zur Spitze überstanden sie das interne Ausleseverfahren, das von dem früheren GM-Chef Alfred P. Sloane in den dreißiger Jahren eingeführt wurde und das noch heute praktiziert wird: Zweimal pro Jahr tritt General Motors sechsköpfiges Führungskomitee zusammen und beurteilt die Fortschritte der 6500 leitenden Angestellten des Konzerns.

Die Leute, die aus diesem Ausleseverfahren an die Spitze vorstoßen, sind "Leute mit Teamgeist", sagt man bei General Motors stolz. "Graue Mäuse" urteilen kritische Geister. Wenn Roger Smith und James McDonald "graue Mäuse" sein mögen, so doch offensichtlich sehr fähige graue Mäuse. Zu ihrer Beschreibung fiel sowohl Robert Leinard, dem Chefredakteur der Fachzeitschrift "Automotive News", als auch David Cole, Assistenzprofessor an der Universität von Michigan in Ann Arbor, als erstes das Wort "kompetent" ein. David Cole, der Sohn des früheren GM-Präsidenten Edward Cole, und Robert Leinard kennen die beiden GM-Bosse seit langem. John De Lorean, der Begründer der De Lorean Motor Company, die mit Hilfe britischer Steuergelder in Nordirland eine Fabrik für Sportautos aus dem Boden gestampft hat, erwartet, daß die neue GM-Führung "das volle kreative Potential einer der mächtigsten und talentiertesten Organisationen der Welt ausschöpft". De Lorean, der einst selbst als Kandidat für den Spitzenposten bei GM galt, kehrte General Motors 1973 den Rücken, weil für Individualisten wie ihm kein Platz in dem Konzern sei und er die verknöcherten Managementmethoden der "Leute mit Teamgeist" nicht für reformfähig hielt.

Der Buchhalter als Boß

Es ist bemerkenswert, daß GMs zukünftiger Unternehmenschef (Chief executive) Roger Smith genauso wie sein Vorgänger Murphy aus dem Finanzmanagement des Konzerns hervorgegangen ist, und McDonald als Präsident und chief operating officer, der die Verantwortung für den Betriebsablauf besitzt, die zweite Geige spielt. Seitdem Alfred P. Sloane seine berühmte organisational study verfaßte, die zur Bibel in Fragen der Unternehmensorganisation und zum tatsächlichen Organisationsschema des GM-Konzernes geworden ist, war es in der Regel der chief operating officer, dem die Rolle des Unternehmenschef übertragen wurde.