Von Elke Kummer

Als hätte ich pausenlos Begriffe ohne Inhalt, Sätze ohne Sinn produziert im Traum: den Materiebegriff als Treppenwitz, Atomismus und Kontinuität, aber plötzlich war mit Sicherheit die Treppe nur noch da, nur gänzlich ohne Stufen. So daß ich mit erschrecktem Ruck ins Leere trat." Das Ich dieses ebenso abgründigen wie komischen ersten Prosabandes einer Lyrikerin und promovierten Linguistin ist Pfaff, ein philosophisch gebildeter, eigentlich berufslosen Akademiker in dem Buch von –

Friederike Roth: "Ordnungsträume" – Eine Erzählung; Luchterhand Verlag, Darmstadt; 75 S., 12,80 DM.

Er lebt allein mit einer Schildkröte, die er im Bewußtsein, daß die Welt kurz vor dem großen Hunger und die Kunst des Denkens schon heute brotlos ist, durchfüttert. Ihr trägt er probeweise vor, was er als bewährter Volkshochschuldozent plant.

Seine Utopie: Er würde gern eines schönen Tages weit über Ludwig Wittgensteins Sprachspieltheorie hinausgehen und eine Vortragsreihe anbieten zum Thema "Die Welt als Spiel eines ewigen Bewußtseins betrachtet – eine Variante des Idealismus".

Darin sollten die Daseinsformen nichts als die klaren Spiegel eines überdimensionalen Spieltriebs sein; das ewige Bewußtsein ein verspieltes Kind, das noch nicht gelernt hat, "Ich" zu sagen, und sich aus einer Laune nach Geselligkeit die Welt neu erfindet.

Zu seiner puren Unterhaltung würde es Widerspruch und Kampf, Uneinigkeit und Bitterkeit, Spaltung und Scheidung in seine Erfindung legen, sich die Menschen dann anschauen und, vergnügt in die Hände klatschend, ausrufen: "Geteilt ist ihr Herz; jetzt werden sie zugrunde gehn!"