Die Klöckner-Werke zeigen sich als Spielverderber im europäischen Stahlkartell Eurofer

Die Meldung war so richtig was zum Dementieren: Klöckner sei, so hieß es, ans der europäischen Stahlvereinigung Eurofer ausgeschieden. Das Dementi dazu könnte lauten: "Es ist falsch, daß die Klöckner-Werke AG aus Eurofer ausgeschieden ist. Richtig ist vielmehr, daß die Klöckner-Werke AG niemals Mitglied von Eurofer war."

Bei der juristischen Spitzfindigkeit, die derzeit in der Stahlindustrie Triumphe feiert, muß nämlich säuberlich unterschieden werden zwischen der Organisation Eurofer – der die nationalen Verbände und nicht die einzelnen Unternehmen angehören – und der kurz "Eurofer I" genannten Vereinbarung, in der sich die Unternehmen zur Einhaltung bestimmter Spielregeln verpflichtet haben.

Diese Vereinbarung soll, so behaupten. die Konkurrenten, von Klöckner nicht eingehalten worden sein. Vor allem bei Feinblech hab? das Duisburger Unternehmen seit mehr als einem Jahr die mit der europäischen Kommission vereinbarten Richtpreise erheblich unterschritten, damit den Markt ruiniert und der gesamten Branche erheblichen finanziellen Schaden zugefügt.

Wurden die Vorwürfe zunächst nur hinter vorgehaltener Hand kolportiert und mit Statistiken belegt, in denen Klöckner als "Unternehmen X" erschien, so ließ Hoesch-Chef Detlev Rohwedder Anfang des Monats in einem Zeitungsinterview die Katze aus dem Sack. Klöckner verkaufe seit eineinhalb Jahren mehr Stahl als seiner Quote entspreche und gebe unzulässige Rabatte.

Die Klöckner-Dementis dazu waren lau und hatten niemanden recht überzeugt. Dies vor allem deshalb nicht, weil sich Klöckner nicht in die Bücher sehen läßt. In Duisburg wird bestätigt, daß das Unternehmen eine offizielle Prüfung abgelehnt hat. Begründet wird das allerdings nicht mit schlechtem Gewissen, sondern damit, daß eine vorhergehende "Plausibilitätsprüfung" nicht zu Ende geführt, sondern vor ihrem Abschluß eine offizielle Prüfung beantragt worden sei. Auch das fällt wohl in die Kategorie Spitzfindigkeit.

Inzwischen ist die Trennung von Tisch und Bett weitergegangen. Am Dienstag gab die Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie bekannt, sie könnte vorerst nicht – wie gewohnt – mit Zahlen über Auftragseingänge, Lieferungen und Auftragsbestände aufwarten. Der Grund: Ein Mitgliedsunternehmen, die Klöckner-Werke AG, melde hierfür derzeit keine Zahlen mehr.