Die Rentiers gehen – die Unternehmer kommen

Von Gunhild Freese

Ende vergangenen Jahres hatte der Vorstand des größten deutschen Zigarettenunternehmens Reemtsma ein lange geplantes Vorhaben unter Dach und Fach geglaubt. Mit der Familie Siegle, Eigentümer der renommierten Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF), waren sich die Hamburger Manager einig geworden, die WMF-Mehrheit zu übernehmen. Doch der Coup scheiterte am Einspruch des Mehrheitsgesellschafters des hanseatischen Familienunternehmens.

Jan Philipp Reemtsma, Gründersohn und gemeinsam mit seiner Mutter Gertrud 53-Prozent-Inhaber der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH sowie der Kommanditanteile der H. F. & Ph. F. Reemtsma, hatte anderes mit dem väterlichen Erbe vor. Statt sein Tabak- und Bierimperium auf eine breitere Basis zu stellen und damit in expansive Märkte zu führen, zog der nun 29jährige Doktor der Philosophie vor, sein Erbe zu veräußern. Den Erlös – es ist von 400 Millionen Mark die Rede – will er "in anderen industriellen Beteiligungen" anlegen, wie es in der offiziellen Firmeninformation heißt. WMF jedenfalls wurde darauf an den Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall abgegeben.

Nachdem Verkäufe an die amerikanischen Konkurrenten Philip Morris und F. J. Reynolds sowohl am heftigen Widerspruch des Reemtsma-Vorstands wie auch an einer "seriösen Prüfung der kartellrechtlichen Frage" (so Firmensprecher Christian Vogel) gescheitert waren, wurde der Erbe vergangene Woche mit einer anderen Hamburger Familie handelseinig. Das 53-Prozent-Paket geht nunmehr an die Firma Tchibo Frisch-Röst-Kaffee AG sowie Ingeburg Herz, Mütter der beiden Tchibo-Chefs. Fehlt noch die Zustimmung der übrigen Reemtsma-Gesellschafter, vorwiegend Mitglieder des Familienclans, sowie des Bundeskartellamtes.

Damit geht für den Hamburger Familienkonzern, der größter unter den heimischen Zigarettenherstellern und zweitgrößter Bierbrauer der Republik ist, ein Kapitel zu Ende, das zunehmend zur Belastung für das Unternehmen geworden war.

Seit dem Tode des Firmengründers Philipp F. Reemtsma im Jahre 1959 nämlich war das Unternehmen allzu sehr unter dem Gesichtspunkt der Vermögensverwaltung geführt worden. Tatkräftige unternehmerische Aktivitäten des Vorstandes hatten die Familiengesellschafter noch immer gebremst.