Suggestiv

"Der Mafu Käfig" von Karen Arthur. Für die psychischen Defelte einer Frau interessiert sich die amerikanische Regisseurin Karen Arthur (ihr erster Spielfilm "Legacy" war Anfang des Jahres in unseren Kinos zu sehen) auch in ihrem zweiten Film "Der Mafu Käfig". Sie gewährt einen Blick in die zerstörte und zerstörerische Seele einer jungen Frau, die sich der Außenwelt, dem heutigen Amerika, entzieht und ein seltsam besessenes Verhältnis zu ihrem verstorbenen Vater, einem Primaten-Forscher, und seinem Werk entwickelt Carol Kane, aus "Hester Street" als verängstigte jüdische Einwanderin bekannt, spielt diese junge Frau so einfühlsam und eindringlich, daß der Zuschauer nur allmählich merkt, welches Ausmaß ihre geistige Verwirrung bereits angenommen hat. Sie ist schließlich zu Handlungen fähig, die jedes Maß der Vorstellung übersteigen. Indem Karen Arthur die Hauptfigur in einem exotischen Ambiente mit verschlungenen tropischen Pflanzen, afrikanischen Masken und Raubtierfellen agieren läßt, kehrt sie ihre Innenwelt nach außen, werden die Verstrickungen auch visuell deutlich. Zusammen mit rhythmischen Klängen afrikanischer Instrumente und ekstatischen Tänzritualen verleiht dieser Rahmen dem Geschehen eine suggestive Kraft, der man sich kaum entziehen kann.

Anne Frederiksen

Bizarr

"Horror Infernal" von Dario Argento, der einst zusammen mit Bernardo Bertolucci am Drehbuch zu Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" schrieb und inzwischen eine gewisse Kult-Reputation als Regisseur exzentrischer Thriller genießt. Die Pariser Liberation interviewte ihn, John Carpenter bewundert ihn, die Musik zu seinem neuen Film schrieb kein Geringerer als Keith Emerson (Emerson, Lake & Palmer). Der Teufel möglicherweise geht um in "Horror Infernal", einem Werk, das seinem Titel nichts schuldig bleibt: halb schwarze Messe, halb grelle Geisterbahn. In New York kommt ein Student dem schrecklichen. Geheimnis der "Drei Mütter" auf die Spur, düsteren Schatten aus einer okkulten Tradition. Mit Farbfiltern (die er allzu hemmungslos einsetzt) verwandelt Argento nächtliche Großstadtstraßen und luxuriöse Art-Déco-Wohnuangen in alptraumhafte Horror-Szenerien. Im Central Park wird ein Krüppel von Ratten zerfleischt, .Köpfe rollen, Blut fließt in Strömen. Auf viele Unappetitlichkeiten hätte Argento leicht verzichten können: In den besten Sequenzen dieses Films erweist er sich als brillanter Architekt künstlicher Schreckens-Räume. Und seine bizarre Farbregie ist der des verstorbenen Mario Bava bisweilen fast ebenbürtig. Freunden des Horror-Genres sei "Horror Infernal" empfohlen. Aber nur diesen Hans C. Blumenberg

Langweilig

"Urban Cowboy" von James Bridges. handelt davon, wie ein junger Hilfsarbeiter in einer gigantischen Hillbilly-Kneipe am Rand von Houston (Texas) zum Champion auf dem mechanischen Rodeo-Bullen aufsteigt. Außerdem kommen vor: seine Ehefrau, die am Anfang eine rechte Schlampe ist, aber dann doch heimlich das "Mobile Home" aufräumt; ein netter Onkel (der vom Blitz erschlagen wird), eine nette Tante (die ständig kocht), viele nette Texaner mit riesigen Hüten und jede Menge Country-Musik. Der Schurke in diesem Stück heißt Wes, hat ein .Narbengesicht und nicht den Hauch einer Chance gegen den auch diesmal sehr widerstehlichen John Travolta, der seine Rolle aus "Saturday Night Fever" im texanischen Ambiente wiederholt. Auf den Tanzböden Manhattans machte er eine bessere Figur. Der Regisseur, der mit "China Syndrom" immerhin einen ziemlich spannenden Film inszenierte, werkelt aufreizend lustlos vor sich hin. Nicht einmal das finale Duell der "Urban Cowboys" ist aufregend. Und von der Arbeitswelt der Öl-Arbeiter, vor der sie in Amüsierpaläste wie "Gilley’s" fliehen, sieht man kaum etwas.