Das Tauziehen dauerte wochenlang: am einen Ende der Berliner Senat, am anderen die Regierung in Bagdad, in der Mitte nach wechselnden Richtungen zerrend die Bundesregierung; die westlichen Alliierten begnügten sich mit der Rolle als ziemlich uninteressierte Zuschauer. Es ging um zwei irakische Diplomaten, den Botschaftssekretär Khalid J. Jaber und den Angestellten Maj-Ali Mahmoud, beide akkreditiert in Ost-Berlin. Sie wurden am ersten August dabei erwischt, wie sie in West-Berlin einen Koffer mit einem Pfund Sprengstoff übergaben, der dazu bestimmt war, eine Veranstaltung des kurdischen Studentenvereins in die Luft zu jagen.

Wäre das Attentat geglückt, – dann hätte es Dutzende von Toten und Verletzten gegeben. Aber der Mann, der den Koffer entgegennahm, war ein Verbindungsmann des West-Berliner Staatsschutzes. So kamen die beiden Diplomaten in Untersuchungshaft. Eigentlich war es ein Fall für die Westmächte, denn sie sind für die Sicherheit der Stadt verantwortlich und haben strenge Gesetze gegen den Besitz von Waffen und Sprengstoff erlassen. Aber sie gebrauchen ihre Souveränität lieber dann, wenn die Abholzung von Einflugschneisen umstritten ist.

So blieben die beiden Schwarzen Peter in deutschen Händen. Die Bundesregierung wollte den Fall rasch bereinigt haben. Der Irak, hieß es inoffiziell, nähere sich dem Westen an; er habe auch eine Zusammenarbeit bei der Bekämpfung deutscher Terroristen, die oft im Nahen Osten Zuflucht suchen, in Aussicht gestellt; deshalb müsse dieser Streitfall aus der Welt. Aber was nützen solche Zusagen, wenn dafür der ausländische Terrorismus in Deutschland ungeahndet bleibt? Der Berliner Senat stellte sich erst einmal taub; er wollte konkretere Erläuterungen aus Bonn und verbindlichere Zusagen aus Bagdad. Diese Taktik scheint Erfolg gehabt zu haben. Der Irak will den deutschen Terroristenfahndern helfen und selber keine Bombenleger mehr aussenden. Nun dürfen die beiden Attentäter, nach Hause. Sechs Wochen Untersuchungshaft sind anscheinend nicht nur ihnen eine Lehre gewesen. 1. N.