Mit ihrer Selbstdarstellung haben "Die Grünen" bislang wenig Glück gehabt. Die Öffentlichkeit hat den Umständen der Parteigründung mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den programmatischen Aussagen. Es gibt ein recht beachtliches Informations-Defizit; dies nicht gedeckt zu haben, ist die Hauptschwäche des Buches

Hans-Werner Lüdke, Olaf Dinné (Hrsg.): "Die Grünen. Personen–Projekte–Programme"; Seewald Verlag, Stuttgart 1980; 270 S., 29,80 DM

Fünfzehn Grüne haben Beiträge höchst unterschiedlicher Quantität und Qualität geliefert, nach deren Lektüre der verwirrte Leser sich fragt, ob denn überhaupt eine Absprache zwischen den Autoren stattgefunden hat.

Nun gut – die Herausgeber hatten ihm diese Verwirrung in der Einführung versprochen! Die Beschreibung der Grünen "beispielsweise in Form einer Monographie (sei) gar nicht möglich. Es wurde daher die Form der Sammlung von Einzeldarstellungen gewählt. Auf diese Weise ist die Breite des Spektrums, die Dissonanz, aber auch das gemeinsame Ziel am besten deutlich zu machen". So kann man fehlende Koordinierung auch umschreiben.

Etwas irritiert, auf der Suche nach Verstehenshilfe, schlägt der Leser die Autoren-Liste auf. Er möchte wissen, warum gerade diese fünfzehn Grünen schreiben. Sind sie repräsentativ für die Breite des Spektrums oder haben sie zur Zeit bestimmte Ämter inne oder arbeiten sie in bestimmten Kommissionen, Debattenzirkeln, Parteigremien mit? Keine Antwort.

Wer die Grünen nur aus Schlagzeilen oder Tagesschau-Meldungen kennt, wird durch dieses Buch nicht klüger. Eingeweihte können dagegen eine Menge lernen, über sachliche Differenzen und unterschiedliche Ausgangspositionen – aber das war ja wohl nicht das Ziel des Sammelbandes. Schade, Verlag und Herausgeber haben eine Chance verpaßt. Horst Bieber