DIE ZEIT

Zahlen für eine getürkte Republik?

Zum drittenmal binnen zwanzig Jahren haben die türkischen Militärs in Ankara die Macht übernommen. Ein Anlaß zum Feiern ist dies nicht.

Wahlkampf-Scherben

Es paßte zu schön in die Wahlkampfstrategie, als daß sich die Union dieses Thema hätte entgehen lassen. Deshalb sprach der CSU-Landesgruppenchef Friedrich Zimmermann, der es eigentlich hätte besser wissen müssen, von einem "Vertuschungsskandal", als die Bundesregierung sich gegen die Indiskretionen zur Wehr setzte, die von der Tageszeitung Die Welt zum Beweis der angeblichen "Fahndungspanne" ausgebreitet worden waren – eine Panne, die es den Terroristen Adelheid Schulz und Christian Klar erlaubt habe, sich dem Zugriff der Polizei zu entziehen.

Gefangen, doch nicht gehangen

Das Tauziehen dauerte wochenlang: am einen Ende der Berliner Senat, am anderen die Regierung in Bagdad, in der Mitte nach wechselnden Richtungen zerrend die Bundesregierung; die westlichen Alliierten begnügten sich mit der Rolle als ziemlich uninteressierte Zuschauer.

Oben im Glaspalast

Der Bonner UN-Botschafter Rüdiger von Wechmar ist am Dienstag dieser Woche per Akklamation zum Präsidenten der Generalversammlung der Vereinten Nationen gewählt, worden.

Zeitspiegel

Mit einer für diesen Wahlkampf einigermaßen sensationellen, jedenfalls atypischen Schlagzeile wartete der Bonner General-Anzeiger auf, sie lautete: "Minister Dr.

Worte der Woche

"Ich habe immer kritisiert, daß es viel zu wenige Bundespolitiker gibt, die sich auch im Beruf durchgesetzt haben. Die meisten sind doch im Windkanal der Parteien und Organisationen glattgeschliffene Funktionäre.

Abgeordneten-Kandidat: Bürgerschreck mit Samtpfoten

Die Bilder täuschen, zum Beispiel das von Helmut Schmidt und Gerhard Schröder. Mit dem gestellten Doppelporträt, geschossen beim Kandidaten-Phototermin in im Kanzleramt – pro Minute ein Kameraklick – wirbt der niedersächsische Abgeordneten-Kandidat in seinem Wahlkreis 38, Hannover-Land.

Die Grünen: Ruhe vor dem Sturm

Gelassenheit, "ökonomischer" Einsatz unserer Nerven", "energisch, aber entspannt" – so oder ähnlich beschreiben die Kandidaten und Wahlkämpfer die Seelenlage der "Grünen" vor dem 5.

Deutsch-polnische Kirchenbeziehungen: Kluges Schweigen

Nun sind wir Polen.sagte der Mainzer Kardinal Volk letzte Woche im Dom von Breslau. Wer wollte, konnte dies als selbstverständliche Hinnahme einer Realität deuten, mit der es die katholischen Bischöfe der Bundesrepublik immer schwer hatten.

Geiseldrama: Teheran weckt wenig Hoffnung

Die Medien zählen noch immer eisern die Tage. 318 waren es am Dienstag. Darüber hinaus jedoch hat die amerikanische Öffentlichkeit in überraschendem Maße gelernt, mit der Geiselkrise zu leben.

Die Wandlungen des Vorsitzenden Hua

Der alte Yügung, von dem die Leute sagten, er sei nicht ganz richtig im Kopf, ärgerte sich über zwei riesige Berge, die ihm den Weg nach Süden versperrten.

BONNER BÜHNE: Aufwind oder Böen?

Wer von "Aufwind" redet, um in Aufwind zu geraten, könnte sich eigentlich kein besseres Umfrageergebnis wünschen als das von Elisabeth Noelle-Neumann: Sie hat für die CDU/CSU 45, für die SPD 45,1 und für die FDP 7,7 Prozent ermittelt.

Chile: Sieg mit Fragezeichen

Mehr als 67,5 Prozent der chilenischen Wähler stimmten für die neue Verfassung. Sie wird zwar im März 1981 offiziell in Kraft treten, erlangt jedoch erst 1989 Gültigkeit.

Polen: Kania wirbt um die Basis

Der neue Parteichef Stanislaw Kania bemüht sich im Augenblick intensiv um Rückhalt an der Parteibasis. Bei seiner Informationsreise in die Streikhochburgen Danzig, Gdingen und Kattowitz umwarb er Parteifunktionäre und Wirtschaftsexperten.

Nahost: eine neue Union

Der libysche Staatschef Ghaddafi hatte vor zwei Wochen, am 11. Jahrestag der Revolution, in einer leidenschaftlichen Rede vorgeschlagen, Syrien und Libyen in einem Staat zu vereinen.

El Salvador: Vietnam in Mittelamerika?

Nach einer Woche zähen Tauziehens hinter den Kulissen ist die Entscheidung gefallen. In El Salvador, jenem übervölkerten Zwergstaat Mittelamerikas, hat der "harte" Flügel des Militärs die liberalen Kräfte im Offizierskorps kaltgestellt.

Verbändestaat oder Staatsverbände?

Die Konzertierte Aktion, seinerzeit spektakuläres Aushängeschild für Karl Schillers Politik der sozialen Symmetrie, gibt es nicht mehr.

IG-Metall-Kongreß: Einig in der Abwehr

Alte Kongreßhasen wissen es: Jeder Gewerkschaftstag ist für eine Überraschung gut. Bisher allerdings sieht man in der Frankfurter Zentrale der IG Metall noch keine Anzeichen eines aufziehenden Gewitters.

Bonner Kulisse

Gerade noch rechtzeitig zur Wahl legt der rheinland-pfälzische Sozialminister Georg Gölter neue Berechnungen vor, die beweisen sollen, daß das von der Union geforderte Erziehungsgeld nicht sechs sondern nur drei Milliarden kostet, also längst nicht so teuer ist wie bisher angenommen wurde.

Kein Mut zur Vorsicht

Firmenchef Karl Heinz Nicolaus, dessen MD Papierfabriken (Stammsitz Dachau bei München) im niederbayerischen Plattling ein neues Werk für 270 Millionen Mark baut, gestand ein, daß dieses Vorhaben alle Bereiche der Unternehmensgruppe (Umsatz 1979 rund 512 Millionen Mark) "fast drei Jahre lang in Atem hielt".

IG Chemie: Mit Tränen

Karl Hauenschild, der alte und neue Vorsitzende, und seine Gefolgschaft gingen zwar als eindeutige Sieger aus der Redeschlacht hervor.

Reemtsma/Tchibo: Es bleibt in der Familie

Ende vergangenen Jahres hatte der Vorstand des größten deutschen Zigarettenunternehmens Reemtsma ein lange geplantes Vorhaben unter Dach und Fach geglaubt.

US-Autoindustrie: Die grauen Mäuse schlagen zurück

Weres darauf abgesehen hat, bei General Motors in die Führungsspitze vorzustoßen, "muß sich einer Maschinerie unterwerfen, die die Persönlichkeit abschmirgelt wie Sandpapier", formulierte einmal der amerikanische Konsumentenanwalt Ralph Nader.

Steuerrecht: Prämie für den Trauschein

Das Dumme an ihren Andeutungen, aus denen sich schließlich diese Fragen konstruieren lassen, war lediglich, daß sie sie in der Illustrierten "Quick" angestellt hat und obendrein nur fünf Wochen vor der Bundestagswahl.

ZEITRAFFER

Die Deutsche Bundesbank sieht die Konjunkturentwicklung optimistischer als viele der Wirtschaftsinstitute. Das sich abschwächende Wachstum sei nicht nur auf konjunkturelle Ursachen zurückzuführen, sondern lassevielmehr auf einen Anpassungsprozeß der deutschen Volkswirtschaft schließen – in erster Linie durch die Energieverteuerung in Gang gesetzt.

Zum Nutzen der Sparer

Degner: Ein solcher Vorwurf käme einer Beleidigung des Parlaments gleich, weil er unterstellte, daß sich das Parlament, zumal durch eine Anzeigenaktion, nötigen lassen könne.

MANAGER UND MÄRKTE

Hans Friderichs, Vorstandssprecher der Dresdner Bank, ist aus der Zeit seiner FDP-Vergangenheit in der politischen Kunst geübt, auch widerstrebende Kräfte unter einen Hut zu bringen.

Gespräche am Bankschalter: An der Kohle verdienen

Im "Gespräch am Bankschalter" Nr. 38 wurden die Chancen der deutschen Kohle-Aktien untersucht. Diesmal ist von jenen Unternehmen die Rede, die aller Voraussicht nach maßgeblich an der Erschließung weiterer Kohle-Felder und am Bau von Kohlevergasungs- und -hydrieranlagen beteiligt sein werden.

Börsen-Report: Kurssturz am Rentenmarkt

Als am Dienstag dieser Woche die erste Landesbank ihren Großkunden 8,5prozentige Papiere mit zehnjähriger Laufzeit zum Ausgabekurs von 100 Prozent offerierte, war dies keine Überraschung mehr.

Firmen und Fakten

Der aus Altersgründen ausscheidende langjährige Vorstandsvorsitzende der Allgemeine Deutsche Philips Industrie GmbH, Hamburg, L.

Zeitschriftenmarkt: Lützes bunter Blätterwald

Bekommt Alice Schwarzer wieder einmal Grund zur Aufregung? Anfang dieser Woche erschien auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt noch ein neues Blatt, das feministische Grundforderungen mißachtet.

Datenschutz: Die geheimen Punkte

Nachdem die Sache in ihrem vollen Umfang durch eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Fritz Hopmeier bekannt geworden war, trat der baden-württembergische Innenminister Roman Herzog schnurstracks den Rückzug an: Künftig dürfen "Verkehrssünder-Karteien" von den unteren Verwaltungsbehörden in Baden-Württemberg aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mehr geführt werden.

Frauenhaus: "Arche" in Not

Die Hansestadt Hamburg ist so frei: "Wer ein Mädchen für ‚1’amour‘ sucht", rät eine offizielle Werbebroschüre, "geht in der Herbertstraße am sichersten.

Wahlkampf im Fernsehen: Reines Theater

Der TV-Wahlkampf führt dazu, die Kamera als Ansprechpartner anzusehen, ins Allgemein-Unverbindliche auszuweichen, statt mit korrekten Aussagen aufzuwarten", schrieb letzte Woche die Stuttgarter Zeitung in einem ungewöhnlich kritischen Leitartikel über den Wahlkampf im deutschen Fernsehen.

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