Die Branchenriesen fürchten Überkapazitäten, doch sie investieren unverdrossen weiter

Die wohlgesetzten Reden beim ersten Spatenstich ließen deutlich erkennen, welche Geburtswehen ein Großprojekt begleiteten, das in der deutschen Papierindustrie seit langem heftig diskutiert wird.

Firmenchef Karl Heinz Nicolaus, dessen MD Papierfabriken (Stammsitz Dachau bei München) im niederbayerischen Plattling ein neues Werk für 270 Millionen Mark baut, gestand ein, daß dieses Vorhaben alle Bereiche der Unternehmensgruppe (Umsatz 1979 rund 512 Millionen Mark) "fast drei Jahre lang in Atem hielt".

Bayerns Wirtschaftsminister Anton Jaumann, der noch vor sechs Monaten seufzte, daß er sich hier ein "mühseliges Geschäft" aufgehalst habe, spielte neben dem 52jährigen Unternehmer Nicolaus von Anfang an die entscheidende Rolle. Der Platz Plattling wurde nicht zuletzt deshalb gewählt, weil man im ostbayerischen "Zonengrenzgebiet" mit einer optimalen Investitionsförderung rechnen konnte – was der MD-Chef auch beim ersten Spatenstich keineswegs verschwieg: "Ganz ohne Zweifel wird die Papierfabrik Plattling mit erheblicher Subvention durch den Freistaat Bayern gebaut."

Jaumann ist es gewiß nicht leichtgefallen, den Förderwünschen voll nachzukommen. Doch schließlich war Nicolaus am Ziel seiner Wünsche: Der bayerische Staat beteiligt sich mit dem höchstmöglichen Satz von 25 Prozent an der Investitionssumme. Zehn Prozent fließen in Form einer steuerfreien Zulage (sie wird gegen fällige Bundes- und Landessteuern aufgerechnet) und weitere fünfzehn Prozent als Zuschuß, der normal zu versteuern ist. Der sogenannte Subventionswert stellt sich somit auf mehr als 67 Millionen Mark, der größte Förderbetrag, der gegenwärtig im weiß-blauen Freistaat einem Industrieprojekt zugute kommt.

Doch nicht nur was den staatlichen Zuschuß betrifft, war der Weg für Nicolaus und seine Partner (der Verlag Burda ist an der Holding MD-Verwaltungsgesellschaft KG, München, mit 28 Prozent beteiligt) dornenreich. Als der Firmenchef im September 1977 sein Vorhaben bekanntmachte, da plante er, zunächst in der damals auf 200 Millionen Mark veranschlagten Fabrik überwiegend konventionelle, stark holzhaltige Zeitschriftenpapiere zu produzieren, im Fachjargon "ungestrichene Naturtiefdruckpapiere". In der Branche kamen an diesem Konzept unverzüglich Zweifel auf und allmählich wurde auch den MD-Bossen klar, daß sie da auf das falsche Pferd gesetzt hatten.

Solche herkömmlichen Illustriertenpapiere haben nur noch geringe Zuwachsraten. Der Schwerpunkt der Expansion liegt eindeutig bei den leichtgewichtigen gestrichenen Papieren, wie sie für Magazine ebenso wie für Versandhauskataloge und Prospekte bevorzugt werden.