Von Ruth Dirx

Wer hat nicht schon erlebt, wie Kinder beim Spiel auf einmal nicht mehr mitmachen wollen, weil sie verloren haben. Sie werfen sich auf den Boden, schlagen um sich oder verletzen absichtlich die Spielregeln.

Was soll man da tun als Erwachsener? Soll man das Kind zurechtweisen, soll man ihm gut zureden? Ein dynamischer Erwachsener wird vielleicht sagen: Ach was, das Kind muß auch lernen zu verlieren!

Muß es das wirklich? Es gibt Leute, die diese Frage verneinen. Ausgerechnet in den USA, wo der Wettkampf beim Sport und der Konkurrenzkampf im Berufsleben mit harten Bandagen, ohne Rücksicht auf Verluste geführt wird, wächst seit einigen Jahren eine Gegenbewegung’ heran. Es sind Leute, die den Gedanken des Wettstreits, des Gewinnens und Verlierens ablehnen.

Begonnen hat diese Bewegung zu Beginn der siebziger Jahre, als vom "wilden" Westen her auf einmal eine neue, sanftere Denkweise von sich reden machte. Man wollte den Fortschritt nicht mehr an dem Vorankommen einzelner, sondern an der Entwicklung der ganzen Gesellschaft messen. Aus kleinen Anfängen entstand auch die "No Win Games Movement". Ihre Mitglieder sammelten und verbreiteten Spiele, bei denen keiner verliert und alle ihren Spaß haben. Inzwischen ist daraus, ein ständig – wachsendes nationales Unternehmen geworden. An vielen Orten in den USA und auch in Kanada entstehen immer neue Gruppen. Sie veranstalten landauf, landab Wochenendschulungen. und bilden Spielgruppenleiter, Lehrer und Erzieher aus. Viele werden sogar von ihren Arbeitgebern zu diesen Schulungen delegiert, um den neuen Weg, diesen "new no winning way" zu erlernen.

Man will nicht mehr gegeneinander antreten, sondern miteinander "an einem Strang ziehen". Man stellt sich beim Tauziehen nicht in zwei Parteien an den Enden des Seils auf, sondern knotet das Seil zu einem Kreis und zieht gemeinsam einen Kreis, einen Stern oder ein Quadrat. Um den Wettbewerb ad absurdum zu führen, zählen beim Basketballspiel beide Parteien ihre Punkte zusammen und vergleichen ihre gemeinsamen Punktleistungen von dem einen mit dem anderen Tag. Man möchte die Punkte nicht gegeneinander, sondern miteinander gewinnen.

Diese "No Win"-Spiele-Bewegung macht sich immer mehr Freunde, vor allem im Mittleren Westen, in den kleinen und mittleren Orten, wo die Leute noch viele Familienfeste feiern, wo man sich bei Schulfeiern, bei Klubveranstaltungen und Vereinsausflügen mit Singen und Tanzen und Kirschkernespucken amüsiert.