Als am Dienstag dieser Woche die erste Landesbank ihren Großkunden 8,5prozentige Papiere mit zehnjähriger Laufzeit zum Ausgabekurs von 100 Prozent offerierte, war dies keine Überraschung mehr. Die Zinsführerschaft war längst vom Bund auf die Landesbanken übergegangen. Sie haben im Ausland Kredite plaziert, die sie jetzt auf dem deutschen Kapitalmarkt refinanzieren.

Mit Spannung wartet man darauf, wie die öffentlichen Hände auf die neue Lage reagieren werden. Was längst vermutet worden war, hat die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht an den Tag gebracht: Da die Steuereinnahmeschätzungen hoher sind als die tatsächlichen Steuereingänge, ist eine Finanzierungslücke entstanden, die unbedingt gedeckt werden muß. Da niemand Mut hat, Ausgaben zu streichen, wird der Schuldenberg des Staates eben weiter wachsen müssen.

Daß sich die Großanleger in dieser Situation zurückhalten, ist verständlich. Sie wissen, daß Abwarten den Zins weiter steigen lassen wird, zumal auch in den USA das Geld wieder teurer und damit der Spielraum der Bundesbank für eine autonome Zinspolitik noch geringer geworden ist.

Die Kurse der festverzinslichen Papiere müssen der sich täglich verschärfenden Zinsentwicklung angepaßt werden, das heißt, sie bewegen sich im freien Fall. Bestände, die in Erwartung einer Zinssenkung erworben worden sind, werden schleunigst abgestoßen. Das gilt auch für Banken. Denn das Refinanzieren von Rentenwerten ist eine kostspielige Sache und nur dann gerechtfertigt, wenn Kursgewinne winken.

Inzwischen haben sich in den Rentenportefeuilles der Kreditinstitute erneut beträchtliche Abschreibungen angesammelt. Aus dieser Sicht ist die Labilität der Kurse der Bank-Aktien durchaus verständlich. Denn der Zeitraum, um in diesem Jahr die Einbußen der ersten sechs Monate wieder auszugleichen, schmilzt rasch dahin. K. W.