Mit Freizeitmagazinen baute sich Günter Lütze ein Imperium auf

Von Heidi Dürr

Bekommt Alice Schwarzer wieder einmal Grund zur Aufregung? Anfang dieser Woche erschien auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt noch ein neues Blatt, das feministische Grundforderungen mißachtet. Das Titelblatt bedeckt ein nackter Frauenpopo, der – als Anreißer für einen Jeans-Report – nur mit zwei Hosentaschen verbrämt ist.

Für welche Ziel- und Käufergruppe das Blatt herausgegeben wird, macht auch der Titel unmißverständlich deutlich: Männer Magazin – ein Blatt, so das Vorwort zur ersten Ausgabe, das in 350 000 Exemplaren erscheint, für "den Mann, der dort lebt, wo wir auch schreiben. In Deutschland". Kein Lui- oder Playboy-Verschnitt soll es sein, sondern ein genau für den deutschen Markt gemachtes Magazin, das "den Rahmen des Gewohnten" sprengt. Daß es dafür neben den eingeführten Herrenmagazinen noch Abnehmer geben soll, wenn auch nicht allzu viele, hatte eine Marktanalyse ergeben.

Was sich die beiden Chefredakteure Helmut Kokoschinski und Rainer Schuler in einjähriger Vorbereitungszeit (wegen der deutschen Ausgabe von Penthouse wurde die Erstausgabe um ein halbes Jahr verschoben und die Erscheinungsweise von monatlich auf zunächst vierteljährlich gedehnt) ausgedacht haben, gehört freilich keineswegs zu den "Dingen, die in kein Klischee passen". Wenn man einmal von der Idee des seitlich abgestuften Inhaltsregisters absieht, gibt es im Männer Magazin kaum etwas, was ähnlich nicht auch in diversen Wirtschafts-, Sex-, Gourmet-, Mode-, Motor- und Reisejournalen zu finden ist.

Das neue Blatt kommt aus einem Haus, das mittlerweile zu den Großunternehmen in der Bundesrepublik zählt, das aber in der Öffentlichkeit kaum jemand kennt: der Firmengruppe Lütze im schwäbischen Reutlingen, die nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in vielen Ländern Westeuropas und seit kurzem auch in Brasilien aktiv ist und mit 300 festen Mitarbeitern einen Umsatz von 150 Millionen Mark macht. Ihr Inhaber Günter Lütze, 49, hat sich in 28 Jahren Schritt für Schritt ein Imperium aufgebaut, das Bau- und Dienstleistungsunternehmen ebenso umfaßt wie Handelsgesellschaften, Verlage und landwirtschaftliche Betriebe.

Der gebürtige Schwabe Günter Lütze begann, seine berufliche Laufbahn Ende der vierziger Jahre als Lehrling im Lebensmittelgroßhandel ("Da hat man damals Schaffen gelernt"). Nachdem er im Auftrag eines Verlags genau ein Jahr lang deutsche Bürgermeister besucht hatte, wußte er, wo ein offener Markt war. 1952 machte er sich als Verleger für gemeindliche Mitteilungs- und Ortsnachrichtenblätter selbständig. Das Geschäft, das Lütze bis 1960 ausschließlich betrieb, aus dem er sich aber seit 1972 fast ganz zurückgezogen hat, florierte. Im Laufe der Jahre wurden etwa 20 Offsetdruckereien für die Gemeindeblätter gegründet.