Hans Friderichs, Vorstandssprecher der Dresdner Bank, ist aus der Zeit seiner FDP-Vergangenheit in der politischen Kunst geübt, auch widerstrebende Kräfte unter einen Hut zu bringen. Ihm gelang es sogar, den zwölfköpfigen Vorstand seiner Bank zu befrieden. Diese Aufgabe bestand seit dem Mord an Jürgen Ponto. Damals fühlten sich mehrere Vorstandsmitglieder zum Nachfolger berufen. Es war kein Geheimnis, daß vor allem drei nach dem Purpurmantel griffen: Karl-Friedrich Hagenmüller, der inzwischen in den Ruhestand getreten ist, Manfred Meier-Preschany und Hans-Joachim Schreiber, beide mit Auslandsaufgaben betraut. Friderichs^hat beide durch einen geschickten Schachzug fest in ihre Aufgaben eingebunden und damit gezähmt: Er hat Vorstandsmitglied Karl-Ludwig Bresser zum Koordinator für das Auslandsgeschäft bestimmt. Damit sich aber keiner etwas Böses dabei denke, hat er auch einen Koordinator Inland ernannt: Vorstandsmitglied Wolfgang Leeb.

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Die deutschen Autoherren scheinen wieder Mut zu fassen: Die Adam Opel AG hat jetzt als zweiter großer Automobilhersteller in Deutschland jeglichen Importschranken gegen die auf den Markt drängende japanische Konkurrenz eine klare Absage ohne Wenn und Aber erteilt. "Wir befürworten auch weiterhin nachdrücklich einen freien Welthandel ohne Restriktionen", heißt es im Vorstandsbericht, den wiederum Opel-Vorstandsmitglied Ekkerhard Rohde vortrug, da sowohl der bisherige Opel-Boß James F. Waters, der bei der Opel-Mutter General Motors Vizepräsident geworden ist, als auch der neue Opel-Chef Robert C. Stempel nicht gut genug Deutsch sprechen.

Der neue Opel-Chef Stempel versichert, daß er Protektionismus für schädlich hält, zumal für eine Branche, die so stark wie die deutsche Autoindustrie vom Export abhängig ist.

Das Opel-Bekenntnis zum freien Welthandel ist um so beachtlicher, als Opel einer der Verlierer am deutschen Automarkt ist: In den ersten sieben Monaten dieses Jahres fehlten dem Unternehmen knapp zwanzig Prozent der Kunden im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum.

Bedingungslos gegen Restriktionen hatte sich in der Bundesrepublik bisher nur Daimler-Benz-Chef Gerhard Prinz ausgesprochen – Mercedes aber ist die einzige deutsche Marke, die von Januar bis Juli noch zusätzliche Kunden gewinnen konnte.