Vielen ist er unter die Haut gegangen, der Gewerkschaftskongreß der IG Chemie, Papier, Keramik, der in der letzten Woche in Mannheim zu Ende ging. Zu tief war der Riß zwischen den beiden Blöcken.

Karl Hauenschild, der alte und neue Vorsitzende, und seine Gefolgschaft gingen zwar als eindeutige Sieger aus der Redeschlacht hervor. Doch die streitbare Minderheit verstummte selbst nach dem Abgang ihres Wortführers Paul Plumeyer nicht. Er hatte nach der gescheiterten Kandidatur als Vorstandsmitglied den Kongreß verlassen.

Nun will Hauenschild alle seine Hände und "alle zehn Finger" ausstrecken, um die Aufmüpfigen in den Schoß der Organisation zurückzuholen. Und das wird er nötig haben. Denn daß das Mißtrauen gegenüber der Führung bisher nicht abgebaut ist, zeigte sich noch einmal zum Abschluß. Die Delegierten waren offenbar nicht bereit, die unerledigten Anträge wie üblich dem Beirat zu überweisen. So wird man also im November noch einmal zusammenkommen.

Vielleicht gibt es dann schon erste Anzeichen dafür, ob sich die Kluft zu schließen beginnt. Dazu allerdings gehört der ernsthafte Wille auf beiden Seiten. Und der Mut und die Geduld, die Wunden, die man sich geschlagen hat, nicht kurzerhand mit einem Notverband abzudecken. So schnell lassen sich die (echten) Tränen, die auf diesem Kongreß flossen, nicht trocknen, ms