Schon im Alter von 21 Jahren war sie so berühmt, daß ihr ein Landesherr, der sie nie gesehen, sondern nur von ihr gehört hatte, einen finanziell ungewöhnlich hohen Vertrag anbieten ließ. Für ein Jahresgehalt, das mehr als doppelt so hoch war wie das seiner Minister, sollte sie an seinem Theater verpflichtet werden und das Publikum ebenso begeistern, wie es ihr bis dahin auch in anderen Städten gelungen war, dort indessen für weniger Geld. Sie erklärte sich einverstanden.

Aber dann lernte sie einen reichen Schottländer kennen, der sich so sehr in sie verliebt hatte, daß er ihr versprach, sie zu heiraten. Es heißt, daß sich bis dahin schon sehr viele reiche Männer für sie interessiert und einige sich sogar dabei finanziell ruiniert hätten. Der Schotte schien ihr aber wohl besonders gut zu gefallen. Denn statt ihren Vertrag zu erfüllen und – was dazu Voraussetzung gewesen wäre – in jene ziemlich weit nördlich gelegene und als ziemlich langweilig geltende Hauptstadt zu fahren, reiste sie mit ihrem Geliebten nach Venedig.

Ihr Vertragspartner hatte dafür jedoch keinerlei Verständnis. Über seinen Gesandten ließ er beim Rat von Venedig Klage gegen sie führen, mit dem Erfolg, daß die junge Dame, von der es heißt, sie habe "sowohl durch ihre seltene Schönheit und Anmut als durch ihren feinen, heitern und liebenswürdigen Umgang alle Welt bezaubert", an die österreichische Grenze gebracht wurde. Und von dort brachte man sie in einer geschlossenen Kutsche und unter dem Schutz oder vielmehr der Bewachung einer militärischen Eskorte durch das Land an eine andere Landesgrenze, von wo die Reise wieder durch ein Land führte, bis die Schöne schließlich am vertraglich vereinbarten Ort eintraf. Ihr reicher Verlobter war ihr immer auf den Fersen, wurde aber nicht mehr an sie herangelassen. Und aus der Stadt, in der sie von da an wirkte und wirklich das Publikum begeisterte, wurde er ganz einfach ausgewiesen und heim zu seiner Familie nach Schottland geschickt.

Nicht nur das Publikum, auch ihr neuer Landesherr, der sie auf diese gewaltsame Weise hatte holen lassen, war von ihr und ihren Darbietungen begeistert. Zwar nörgelten ein paar Kritiker, ihre Kunst erinnere an Gaukelei und Jahrmarkt, und ein dem Landesherrn befreundeter Philosoph fand, daß sie Männerhand habe, ihn indessen, der übrigens zu Unrecht als Weiberfeind in die Geschichte eingehen sollte, hinderte das nicht, ihr ohnehin sehr hohes Gehalt noch fast zu verdoppeln.

Er hatte seine Tête-à-têtes mit. ihr, lud sie manchmal zum Souper und schrieb ihr charmante Briefe, wohl nicht allein wegen ihrer schwarzen Augen, die er so bewunderte, und ihrer, vielgerühmten Pfirsichhaut, sondern eher, weil er sie für amüsant, ja geistreich hielt. Sogar auf seinem Lieblingsschloß durfte sie ihn besuchen, was er seiner Ehefrau nie erlaubt haben soll. Er ließ sie malen und eines der Bilder in jenem Schloß aufhängen.

Sie hatte außer ihm noch viele Verehrer. Einen von ihnen, der nicht älter war als sie, heiratete sie als Fünfundzwanzigjährige, weil er der leidenschaftlichste war, sagten die einen, weil sie auf diese Weise Baronin wurde und sich zur Ruhe setzen konnte, sagten andere. Nach vierzig Jahren wurde die Ehe geschieden. Und sie wurde, unter ihrem Mädchennamen, zur Gräfin erhoben. Ihr Wappen zeigte zwei Lorbeerkränze, ein galoppierendes Pferd, drei Glöckchen, einen Stern und zwei Kranichvögel, die in ihren erhobenen Krallen einen Stein mit dem Wahlspruch "Virtuti asilum" hielten.

Sie starb im Alter von 78 Jahren als Oberin eines Stifts für adlige Damen, in das sie ihre drei Güter umgewandelt hatte.

Wer war’s?