Anke Fuchs, Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium und Mutter zweier Kinder, hat sinngemäß, wenn auch stark verkürzt, etwas ausgesprochen, was auch manchem Normalbürger mit ähnlichem Familienstatus schon mal durch den Kopf gegangen sein mag: Warum muß der Staat kinderlosen Ehepaaren allein deshalb, weil sie Ehepaare sind und nicht einfach ganz locker im Konkubinat leben, Geld schenken? Warum begünstigt er sie, dank der Vorteile des sogenannten Ehegatten-Splittings im Steuerrecht, sowohl gegenüber den unverheirateten Paaren als auch gegenüber den Ehepaaren mit Kindern, die ja ihre Mehraufwendungen keineswegs voll ersetzt bekommen?

Das Dumme an ihren Andeutungen, aus denen sich schließlich diese Fragen konstruieren lassen, war lediglich, daß sie sie in der Illustrierten "Quick" angestellt hat und obendrein nur fünf Wochen vor der Bundestagswahl. Aus Quick kam es in Bild und löste dort so schlimmes Entsetzen aus, daß auch die Bonner CDU/CSU-Opposition nicht länger schweigen mochte: "30 Milliarden Mark höhere Steuern für kinderlose Ehepaare" – "ein Dolchstoß", entrüstete sich deren Finanzexperte Hansjörg Häfele. In Frau Fuchs’ Ministerium mag man seitdem von diesem Thema nichts mehr hören.

Dabei ist der Grundgedanke der Staatssekretärin gar nicht mal so übel. Nur ihre weiteren Folgerungen hätte sie sich besser verkniffen: Sie sind nicht realisierbar, und sie hätten es auch rechtlich schwer, denn das Grundgesetz stellt in seinem Artikel sechs nicht nur die Familie "unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung", sondern auch die Ehe – kinderlose Ehen sind, mag man es auch bedauern, inbegriffen.

Frau Fuchs hat mithin aus ihrem Grundgedanken, daß kinderlose Ehen durch das steuerliche Splitting – das Gesamteinkommen beider Partner wird zunächst durch zwei geteilt und erst dann versteuert, so daß die Steuerersparnis besonders dann groß ist, wenn ein Partner viel und der andere gar nichts verdient – mitunter überreich begünstigt werden, ein fragwürdiges Rezept hergeleitet: Man nehme den Kinderlosen etwas weg, und gebe es dafür den Familien mit Kindern. Hätte sie es andersherum versucht, könnte daraus eher ein Schuh werden: Man gebe den Familien mehr, indem man nicht nur Ehegatten, sondern alle Familienmitglieder in den Genuß des Splittings kommen läßt.

Für viele Familien ist dieses "Familien-Splitting" nichts Neues; Hunderttausende von Freiberuflern und Selbständigen praktizieren esmit oftmals bemerkenswerter Phantasie. Da werden Offene Handelsgesellschaften (OHG) gegründet, denen außer dem Papa auch die Mama und sämtliche Kinder angehören, ohne daß die Kinder darin etwas zu sagen hätten – wichtig ist nur, daß ihre formale Mitgliedschaft Steuern spart. Oder man überträgt den Kindern ein Wohnhaus und zahlt ihnen für die darin liegende Praxis eine Miete – der Form halber, weil sich so Steuern sparen lassen. Es gibt viele Möglichkeiten dieser Art – freilich mit einem entscheidenden Nachteil: den Arbeitnehmern und Beamten bleiben sie verschlossen.

Mithin würde, wer das Ehegatten-Splitting bei Kinderlosen abschüfe, die Arbeitnehmer benachteiligen; der kinderlose Freiberufler würde auch dann noch Steuern sparen, indem er seine Frau als "Sekretärin" führt – ohne daß sie deshalb gleich wirklich arbeiten müßte.

Bei einem Familien-Splitting würde das Familieneinkommen durch die Zahl der Familienmitglieder geteilt; denkbar wäre auch, daß auf die Ehegatten etwas größere und die einzelnen Kinder etwas kleinere Anteile entfallen. In jedem Fall aber würden Familien mit Kindern begünstigt, und zwar um so stärker, je höher das Familieneinkommen ist – bei progressiver Besteuerung ist das nun mal so. Kinder würden demnach nicht mehr mit dem Einheitssatz des Kindergeldes bedacht, sondern unterschiedlich begünstigt. Vor allem die Sozialdemokraten haben dagegen vieles – und manches auch zu Recht – einzuwenden; an der Tatsache aber, daß bei Freiberuflern und Selbständigen derlei längst Brauch ist, kommen auch sie nicht vorbei.