Spanier sollen nicht mehr allein im Juli und August Urlaub machen. Mit Sonderprogrammen will der Minister für Handel und Tourismus, Luis Gamir, seinen Landsleuten die Monate Juni und September schmackhaft machen. Denn in der Hauptsaison würden Hotelbetten dringend für devisenbringende ausländische Touristen gebraucht.

In Verhandlungen mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaft ten versucht Gamir augenblicklich die traditionell auf Juli und August festgelegte Ferienzeit der Spanier zu "entzerren". Angesichts der Krise in der spanischen Wirtschaft und im Tourismus könne sich Spanien weder den "Luxus einer praktischen Lähmung des Landes in den Sommermonaten" leisten, noch "die Belegung von Hotelbetten an der Küste durch Einheimische" verkraften. Laut dpa will der Minister daher durch finanzielle Anreize und spezielle Ferienprogramme für Pensionäre, Beamte und Beschäftigte in Staatsfirmen erreichen, daß mehr Spanier in der Nebensaison Urlaub machen. Gleichzeitig würde damit eine bessere Auslastung der Hotels und Ferienwohnungen in den saisonschwachen Monaten erreicht. Arbeitgeber und Gewerkschaften sollen diesen Plänen wohlwollend gegenüberstehen.

Bislang sind Großstädte wie Madrid und Barcelona im August nahezu verlassen, viele Geschäfte, Betriebe und Restaurants geschlossen und die Ministerien nur mit einer "Not"-Belegschaft besetzt. Denn auch die Spanier ziehen es vor – bei Temperaturen bis zu 40 Grad im Landesinneren –, Erfrischung an der Küste zu suchen.

Die massiven Anstrengungen, die Spaniens Regierung nach schlechten Erfahrungen in diesem und dem vergangenen Jahr macht, führten jetzt aber auch zu einer großen Finanzspritze. In der letzten Kabinettssitzung dieses Sommers hat die Regierung beschlossen, einen Vierjahresplan für den Tourismus in Spanien zu entwickeln. Mit seiner Hilfe sollen die infrastrukturellen Anlagen der wichtigsten Fremdenverkehrsorte verbessert werden. Für dieses Vorhaben hat Madrid eine Gesamtsumme von acht Milliarden Mark angesetzt