Nach einem Wahlsieg hätte der Kanzlerkandidat freie Hand bei der Besetzung der Ministerposten

Von Carl-Christian Kaiser

Bonn, im September

Ein ungewöhnlich positives Echo habe das von Bundeskanzler Strauß, Vizekanzler Stoltenberg und Arbeitsminister Blüm gemeinsam vorgelegte Programm "Aufschwung nach sozialem Maß" gefunden, schreibt der CSU-Abgeordnete Hans Klein in einem Szenario, in dem er sich und anderen ausmalt, wie herrlich es wohl werden würde, wenn die Union zum Ziele käme. Mag in dem Prospekt des Strauß-Vertrauten Klein, der zum Bonner Wahlkampfbüro des Kanzlerkandidaten zählt, die Imagination auch üppig blühen – ganz zufällig und willkürlich ist es nicht, wenn da ein Arbeitsminister Blüm auftaucht. Denn manche, die sich mit Franz Josef Strauß ein wenig auskennen, halten durchaus dafür, daß er den Vorsitzenden der Sozialausschüsse, als ehrliche Haut und umgänglichen Menschen, mehr schätzt denn Heiner Geißler, die andere denkbare Unions-Besetzung für das Sozial- und Arbeitsressort.

Politisch trennt ihn von beiden gleich viel. Schließlich ist es erst ein gutes Jahr her, daß sie alles ihnen Mögliche ins Werk gesetzt haben, den Kandidaten Strauß zu verhindern, nach vielen Kandidaten und Zusammenstößen schon in den Jahren zuvor. Aber an den beiden Exponenten des "linken", des sozialen Flügels der Union, die sich zudem im Wahlkampf für den Kandidaten bis zur Selbstverleugnung schlagen, kann Franz Josef Strauß nicht vorbei. Der Realist Strauß wird auch nicht vorbei wollen.

Sollte er jedoch das Amt des Arbeitsministers zu vergeben haben, dann hätte wohl Geißler die Vorhand. Immerhin verdankt es Strauß dem CDU-Generalsekretär, daß die Behauptung "Rentenbetrug" zum Wahlkampfprügel geworden ist. Und wie die Sozialausschüsse hinter einer Berufung Geißlers stünden, so kann auch die Umgebung des Generalsekretärs keine Anzeichen entdecken, daß Geißler sich einem solchen Ruf entziehen würde – es sei denn, er gäbe dem Familienressort den Vorzug, dessen Aufgaben die Union jetzt so groß schreibt und das sie eigentlich kräftig aufwerten müßte.

Aber da gibt es nun wiederum Helga Wex, wenngleich blaß, so doch seit langem um die Familienpolitik bemüht. Mindestens eine Frau soll zudem in einer Regierung Strauß vertreten sein. Würde man also am Ende Norbert Blüm als Parlamentarischen Staatssekretär in dem einen oder dem anderen Haus wiederfinden?