In der Haut so mancher politischer Fernsehredakteure möchte in dieser "heißen Phase" des Wahlkampfs nicht jeder stecken. Das ist nämlich kein Zuckerschlecken, weil ihnen die Parteien so charf auf die Finger sehen – wie das folgende Beispiel zeigt:

"Hallo?!... ja, am Apparat... Moment mal, nun beruhigen Sie sich doch erst mal, Herr General... Herr General... Herr Generalsekretär, doch nicht gleich wieder diese Drohgebärden... aber natürlich habe ich dafür Verständnis ... unvorteilhaft? Wann? ... Vorgestern abend?... Aber das können Sie doch nicht unserem Kameramann vorwerfen. Er hat ja nun mal ein Doppelkinn, selbst aus der Vogelperspektive Nein, da haben wir uns vorsorglich erkundigt: Unter den Beleuchtern ist kein eingefleischter Sozi, das sind alles nur Beleuchter... Nein, auch nicht DKP..."

"Ja, selber... Zitat aus dem Zusammenhang gerissen? Wann? Wo? ... Sind Sie ganz sicher, daß da überhaupt ein Zusammenhang war? ... Ganz sicher?!... Lieb... lieber ... lieber Herr ..., das Zitat war die einzige Perle in dem ganzen Blablabla, der Rest war wie von Biedenkopf... Wie bitte? ... Nein, da muß ein Irrtum vorliegen, Unsere Mitarbeiterin schwört, daß sie eine Zeitung namens UZ noch nie in der Hand gehalten hat..."

"Ach, da sind Sie ja wieder, Herr Ger.eralsekretär, wie nett... Ihre Erwiderung habe wir doch gebracht, da müssen Ihre Kontrolleure geschlafen haben... Nicht in voller Länge? Dann hätten die anderen auch eine Erwiderung in dieser Länge beansprucht, worauf Sie wiederum auf eine Erwi... nanu? Eingehängt..."

"Ja, bitte? ... 47,0002 Sekunden kürzer auf dem Bildschirm? Mit elektrischer Zeitmessung gestoppt? Hm, und wenn nun Ihr Mann zu diesem Thema einfach weniger zu sagen hatte? Ach, darauf kommt es gar nicht an? Also: Nicht was er sagt, sondern daß er was sagt... Vielleicht tut man ihm damit gar keinen Gefallen... Ach, mein Guter, in Ihrem Dossier stehe ich ja schon längst, damit können Sie mich nicht mehr schrecken..."

,,...so nun mal im Ernst, Herr Generalsekretär. Ihr Mann ist nicht absichtlich falsch geschminkt worden... Und die dafür zuständige Dame hat gar keine Nichte, also auch keine beim Spartakusbund ... Daß er etwas blaß wirkte, könnte doch auch an seinen Argumenten gelegen haben..."

"Ja, schönen guten Morgen... Sie sind aber früh auf den Beinen ... Ach so, wegen gestern abend... diese Sondersendung... Doch natürlich können wir da nachträglich eine Stellungnahme von Ihrem Mann bringen... Nein, nein, das haben wir doch alles im Archiv... Er sagt doch meistens nachher, daß er das schon vorher gesagt hat. Das paßt doch immer irgendwie..."