Es paßte zu schön in die Wahlkampfstrategie, als daß sich die Union dieses Thema hätte entgehen lassen. Deshalb sprach der CSU-Landesgruppenchef Friedrich Zimmermann, der es eigentlich hätte besser wissen müssen, von einem "Vertuschungsskandal", als die Bundesregierung sich gegen die Indiskretionen zur Wehr setzte, die von der Tageszeitung Die Welt zum Beweis der angeblichen "Fahndungspanne" ausgebreitet worden waren – eine Panne, die es den Terroristen Adelheid Schulz und Christian Klar erlaubt habe, sich dem Zugriff der Polizei zu entziehen.

Ob es sich nicht vielmehr um einen Indiskretionsskandal zu Wahlkampfzwecken handelte, in den auch Zimmermann verwickelt war – dies versuchte jetzt die Koalition in der parlamentarischen Kommission zur Kontrolle der Nachrichtendienste zu klären, deren Mitglied Zimmermann ist. Der Erfolg war, wie zu erwarten, spärlich. Daß geheimhaltungsbedürftige Einzelheiten der Operation in die Presse lanciert wurden, darüber waren sich die Herren anscheinend einig. Die Darstellung der Rolle Zimmermanns dagegen fiel verschieden aus. Wehner konstatierte knapp; "Von Mitgliedern der Kommission ist ein Vorwurf der Verletzung der Geheimhaltung gegen irgendein Mitglied der Kommission nicht erhoben worden." Die Formulierung läßt offen, warum die Fragen nicht gestellt wurden – aus Mangel an Beweisen oder wegen erwiesener Unschuld. Die Union indes verkündete stolz: Die Verleumdungskampagne gegen Zimmermann sei zusammengebrochen. Und um die Wahlkampfwirkung voll auszukosten, nahm sie einen Zornausbruch Wehners auch noch zum Anlaß, die Sitzung unter Protest zu verlassen.

Das Fazit ist ziemlich traurig: Die Union preßt die angebliche Fahndungspanne bis zum letzten trüben Tropfen aus, und sie nimmt dabei in Kauf, daß von ihren Helfern die Effizienz der Nachrichtendienste, auf die sie sonst so hohen Wert legt, erheblich in Mitleidenschaft gezogen wird. Und jetzt ist schließlich auch noch die parlamentarische Kommission, für deren Arbeit Vertrauen und Vertraulichkeit unerläßlich sind, zum Instrument der öffentlichen und polemischen Auseinandersetzungen geworden. Der Scherbenhaufen dieses Wahlkampfes wächst. R. Z.