...vertarnen Menschen ihre Sprache, ihr Denken mit Un-Worten? Ein Bombenflugzeug heißt "Phantom", der Kanzler Kiesinger nannte die DDR ein "Phänomen", das neueste –63 Millionen Mark teure – Kriegsspielzeug heißt "Tornado", als handle es sich um eine Naturkatastrophe.

Haben solche klebrigen Etiketten Verkleister-Funktion?Gie- ßen Menschen sich ganz eigenhändig Schlemmkreide ins Gehirn? Das Wort – die Sache – Revolution ist verpönt; es sei denn, von der "Tennis-Revolution" durch Björn Borg ist die Rede. Und die Golanhöhen – der so schwer zu lösende arabisch-israelische Konflikt der mit diesem Namen verknüpft ist, wird weit, weit weggeschoben, wenn man "Westbank" sagt; das hat die Harmlosigkeit eines überzogenen Gehaltskontos – "wird schon wieder werden".

Und es hat den sprachlichen Charme der Herren von Schweppes, die auf ihre 6-Flaschen-Verpackung "Party-Pack" schreiben: wie leicht man doch Gäste rausekeln kann, man muß das nur ins rechte Blickfeld rücken, gleich neben die Nüßchen und Salzletten.

Haben Menschen Angst vor der Benennbarkeit – damit Erkennbarkeit – der Welt? Puppen sie sich ein in einen Wort-Kordon, der das Reale fortschiebt, Unruhe aussiebt? Nie stirbt Onkel Eduard – immer fragt man, ob ihm etwas "passiert sei". Vielleicht passiert auf diese Weise nichts – mit einem selbst. FIR