Es klang fast wie eine Entschuldigung. Auf die Frage der Frankfurter Rundschau, ob es denn nicht ein Problem für ihn sei, den Theodor W.-Adorno-Preis aus der Hand des CDU-Bürgermeisters Walter Wallmann entgegenzunehmen, sagte Jürgen Habermas, er habe tatsächlich gezögert. Er nahm dann aber doch an, weil der Adorno-Preis zu einer Einrichtung werden könne, die dem Widerspruch, dem "kritischen Gedanken", eine Chance zur Darstellung gebe. Außerdem biete die Preisverleihung wieder einmal die Möglichkeit, sich zur Wehr zu setzen.

Die Rechtfertigungsrede Habermas’, ja die gesamten Umstände der Preisverleihung werfen ein bezeichnendes Licht auf den heute einundfünfzigjährigen Soziologen. Von der Linken ignoriert, von der Rechten diffamiert, steht der radikale Reformist Habermas wieder einmal allein.

Es bleibt dem der "Kritischen Theorie" sicherlich nicht gerade freundlich gesonnenen Walter Wallmann überlassen, diese gegen den Vorwurf in Schutz zu nehmen, sie sei Ursache für den Terrorismus in den siebziger Jahren.

Und es bleibt Habermas selbst überlassen, für ein Offenhalten des politischen Spektrums bis hin zur unorthodoxen Linken einzutreten, während diese nichts tut, ihrerseits Habermas in Schutz zu nehmen.

Habermas, einst als Direktor des Frankfurter Institutes; für Sozialforschung im Mittelpunkt der Studentenrevolte der sechziger Jahre, arbeitet nun schon seit fast zehn Jahren. zurückgezogen im Starnberger "Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt". Als er sich kürzlich um eine Honorarprofessur an der Ludwig-Maximilians-Universität in München bemühte, erhielt er zunächst einmal eine Abfuhr.

Ungefragt verkündete Universitäts-Präsident Lobkowicz in einem Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung, im Senat werde.sich "derzeit keine Mehrheit" für die Vergabe einer Honorarprofessur an Habermas finden. Damit wurde Habermas zum zweiten Male die Möglichkeit vorenthalten, in unmittelbarer Nähe des von ihm geleiteten Max-Planck-Institutes auch zu lehren und Doktoranden zu betreuen.

Beim erstenmal – bereits 1973 hatten Münchner Professoren befunden, Habermas solle erst einmal genügend lange "in Starnberg schmoren", bis "Gras über das (von ihm mitverfaßte) hessische Universitätsgesetz gewachsen" sei – war diese Verweigerung vielleicht noch als Ausrutscher neidischer Kollegen zu verstehen.