Könner gefragt

Die Wirtschaft freut sich: Endlich belebt sich die Diskussion über Eliten wieder. "Ein Tabu scheint gebrochen", schrieb das Institut der Deutschen Wirtschaft vor einigen Tagen und begrüßte, daß sich die Diskussion von "überkommenen gesellschaftlich oder biologisch begründeten Wertvorstellungen absetzt und demokratisch auf dem Kriterium der Leistung aufbaut". In der Tat: Die Elitendiskussion ist seit einiger Zeit wieder im Gange. So äußerte sich der Berliner Wissenschaftssenator Peter Glotz in den Mittellungen des Hochschulverbandes kürzlich zu der Frage: "Elitenförderung – was heißt das?" Das manager magazin machte sich Gedanken über die "Führungskräfte der achtziger Jahre" und ging auf die Elitenbildung ein, und auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung sorgte sich um die Förderung der Besten in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. So erstaunt es nicht, daß die Wirtschaft nun ihrerseits eine Studie über die "Eliten in der Bundesrepublik" in Auftrag gab. Besonders vorurteilsfrei habe sich DIE ZEIT in die Elitendiskussion eingeschaltet, heißt es dort, und das gleich zweimal: Hermann Rudolph: "Elite: ein Begriff kehrt wieder" (30. 5. 1980) und Eberhard Lammert: "Wo bleiben nur die Könner?" (29. 6. 1979).

Kritik am Tunnel

Die Schweizer Tunnelbauer, die gehofft haben mögen, nach elf Jahren Wühlarbeit die Einweihung des Gotthard-Straßentunnels (ZEIT Nr. 36 vom 29. August) mit stolzgeschwellter Brust genießen zu können, sehen ihr Werk jetzt erneut harscher Kritik ausgesetzt. Schelte kommt von den Ökologen. "Kein Grund zum Feiern", rügt die Schweizerische Gesellschaft für Umweltschutz (SGU) den Jubel und verdammt das Millionenloch "weitgehend als Fehlinvestition". Bereits jetzt habe der Bau der Autobahn verheerende Landschaftsschäden verursacht. Auch energiepolitisch Ist der Tunnel nach Meinung der Umweltschützer eine Fehlplanung. Durch die Ventilatoren werde er zum "riesigen Energiefresser", hierin einer Kleinstadt vergleichbar. Zudem widerspreche die Verlagerung des Verkehrs von der Bahn auf die Straße dem Ruf nach Energieeinsparungen. Dieser Vorwurf trifft die Planer aber nur bedingt: Vor elf Jahren dachte noch niemand an Energiemangel.

Wo Euer Schatz, da Euer Herz

Im Vatikan war der Teufel los. In den ersten Septembertagen wurden in Sekundenschnelle sämtliche Zugänge zum Kirchenstaat abgeriegelt. Auch die Pforten des Petersdoms und die Tore zu den Museen waren plötzlich versperrt. Die eingeschlossenen Besucher glaubten zunächst an eine Art Alarmübung, denn der Gottesstaat fürchtet um die Sicherheit seiner Bank, dem "Institut für die Werke der Religion". Gottvertrauen hin, Gottvertrauen her, die Kirchen-Bank ist seit kurzem durch eine, zweite Alarmanlage doppelt gesichert. Die vatikanischen Alarmanlagen wurden, theologisch gesehen, gegen den Willen Jesu installiert, denn der Gottessohn hatte in seiner Bergpredigt gewarnt: "Ihr sollt Euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen und da die Diebe nachgraben und stehlen"; Die Warnung steht in dem Evangelium, das dem Apostel Matthäus zugeschrieben wird (6, 19). Matthäus, im bürgerlichen Beruf Zollbeamter, hatte den verderblichen Einfluß des Mammons kennengelernt. Er konnte Jesus sicher voll zustimmen, als dieser lehrte: "Denn wo Euer Schatz ist, da ist Euer Herz" (6, 21). – Der Vatikan hat inzwischen Entwarnung gegeben. Der Alarm sei durch eine Putzfrau ausgelöst worden, die in der päpstlichen Bank Staub wischte und aus Versehen die Elektronik betätigte. Diese Version ist sicher glaubhaft, denn es bewahrheitet sich wieder einmal, daß es böse Folgen hat, wenn in der Römischen Kirche auch nur der geringste Staub aufgewirbelt wird.

"Aus meinem Leben"

... nennt Erich Honecker seine im Pergamon-Verlag erschienene Autobiographie. Ein Buch, "geschrieben für alle Völker der Welt". Sprach’s und verzichtete, aufs Honorar. Honecker bat darum, "die Honorargelder so zu verwenden, daß der Preis des Buches niedrig gehalten werden könne, damit einfache Leute es sich kaufen können". Das Buch kostet 38 Mark.