Die Deutsche Bundesbank sieht die Konjunkturentwicklung optimistischer als viele der Wirtschaftsinstitute. Das sich abschwächende Wachstum sei nicht nur auf konjunkturelle Ursachen zurückzuführen, sondern lassevielmehr auf einen Anpassungsprozeß der deutschen Volkswirtschaft schließen – in erster Linie durch die Energieverteuerung in Gang gesetzt. Die mittelfristigen Strukturprobleme aber seien nicht durch globale Maßnahmen wie kreditfinanzierte Staatsausgaben zu lösen. Die Zentralbank spricht sich entschieden gegen eine Politik des "reichlichen und billigen Geldes" aus.

Für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung besteht ebenfalls kein Zweifel darüber, daß der Staat dauerhaft keine überdurchschnittliche Neuverschuldung mehr verkraften kann. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt würde sich zwar kurzfristig durch kreditfinanzierte Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung entschärfen, diese müßten allerdings primär auf Engpaßbereiche ausgerichtet sein. Durch die konjunkturgerechte Finanzpolitik der Jahre 1978 und 1979 gebe das Ausmaß der Staatsverschuldung zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Anlaß zur Besorgnis.

Im ersten Halbjahr 1980 sind die Leistungsabgaben der gesetzlichen Krankenversicherung je Mitglied um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Vor allem die beträchtlichen Teuerungsraten für Zahnersatz (15 Prozent) und Heil- und Hilfsmittel (zwölf Prozent) haben dazu beigetragen. Mit rund sieben Prozent kletterten auch die Ausgaben für die Krankenhauspflege deutlich. Im Vergleich dazu stiegen die Einnahmen der Krankenkassen in diesem Zeitraum um rund sechs Prozent.

Die Zuwachsraten im Handwerk lagen im letzten Jahr erheblich über denen der Gesamtwirtschaft. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks stellte fest, daß damit der Anteil ihrer Branche an der Bruttowertschöpfung bei zwölf Prozent liege. Gebremst würde dieses Wachstum jedoch durch den ausgesprochenen Facharbeitermangel

Der "Butterberg-Politik" der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ist jetzt eine "Saft-Politik" gefolgt, und wieder hat der Verbraucher das Nachsehen: Trotz Rekordernte im Jahr 1979 mit 733 909 Tonnen Äpfel muß die deutsche Fruchtsaftindustrie ein Drittel ihres Apfelbedarfs pro Jahr aus dem Ausland einführen. Mit steigendem Trend: Im ersten Quartal dieses Jahres wurde schon mehr Apfelsaftkonzentrat aus der DDR eingeführt als im gesamten Vorjahr. Von der deutschen Ernte mußten laut EG-Regelung zwölf Prozent des Kernobstes zu Interventionspreisen vom Markt genommen werden. Dieses wurde zum Teil als Viehfutter verbraucht. H.-K.