Einen bitteren Beigeschmack mag empfinden, wer jetzt in den Buchhandlungen einen "heiteren Reiseführer" für Italien entdeckt; so nämlich lautet der Untertitel von Horst Schlitters Taschenbuch:

"In Italien lebt man anders" (Herder-Bücherei, Freiburg, 129 Seiten, 5,90 Mark).

In manchen Ohren mag das der Bomben und Entführungen wegen wie grausame Ironie klingen. Doch dieses Taschenbuch kommt gerade recht, um Übertreibungen zu relativieren und Mißverständnissen vorzubeugen. Vor allem lehrt es verstehen, warum trotz aller Hiobsbotschaften aus dem Süden viele Millionen Deutsche weiterhin nach Italien reisen, ohne es bereuen zu müssen. Ärger und Unverständnis haben nämlich die gleiche Wurzel wie das, was Schlitter aus Erfahrungen eines Jahrzehnts in Rom als widerspruchsvollen Charme dieses Landes vermittelt und in die rhetorische Frage kleidet: "Welche Gesellschaft funktioniert nun besser – die mitteleuropäische mit ihren todsicheren Tarifen, Geschäftszeiten und Programmen oder die menschlich durchwachsene mediterrane Schlamperei?"

Wie eben im Alltag dabei manches wunderbarerweise doch funktioniert, wie sich das alles nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen läßt (allenfalls auf den einer Kunst, "anders" zu leben) – das beschreibt Schlitter in vielen köstlichen Episoden, die ihn als guten Beobachter und Erzähler ausweisen, mehr noch: als einen Deutschen mit Humor (eine nicht sehr verbreitete Gattung). Das Schmunzeln, nachsichtig, wenn auch manchmal ein bißchen "von oben herab", kommt ihm selbst dann nicht abhanden, wenn er versucht ist, den Zeigefinger zu heben. Schon deshalb möchte man das Buch, das selbst in die kleinste Reisetasche paßt, den Italienurlaubern empfehlen.

Wer auch den ernsteren Hintergrund kennenlernen will, ohne deshalb gleich ein dickes Buch wälzen zu müssen, sei auf Horst Schiitters

"Italien – Industriestaat und Entwicklungsland" (Fackelträger-Verlag, Hannover, 138 Seiten, 16 Mark)

aufmerksam gemacht. Hansjakob Stehle