Einige reden nur davon, andere tun es. Gemeint ist das von Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff ins Spiel gebrachte Stichwort „Mehr arbeiten“, Gleich zwei Top-Leute des Bonner Verteidigungsministers Hans Apel fangen nun nach Eintritt in den Ruhestand erst so richtig an. Der eine ist Paul-Werner Krapke, bis vor kurzem leitender Baudirektor beim Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz (BWB, der andere ist Johannes Trienes, Ministerialdirektor und Abteilungsleiter Rüstungstechnik im Bonner Verteidigungsministerium. Trienes ist in den „Board of Directors“ der amerikanischen Firma Borg-Instruments gewählt worden, die mehrheitlich der deutschenFamilie Diehl gehört, die in der Bundesrepublik zu den bedeutenden Rüstungsunternehmen zählt. Trienes wird allerdings nicht ins deutsch-amerikanische Rüstungsgeschäft einsteigen. Seine neue Karriere ist zivilen Produkten gewidmet. Borg-Instruments ist der größte amerikanische Produzent von Autouhren und sonstigen Kraftfahrzeug-Amaturen.

Ex-Baudirektor Paul-Werner Krapke hingegen bleibt indirekt im Geschäft. Der ehemalige Projektbeauftragte für den Kampfpanzer Leopard 2 wird Lobby für Deutschlands Panzerbauer machen und zwar in der Schweiz. Dort findet nämlich die nächste deutsch-amerikanische Panzerschlacht statt, die Krapke diesmal gern zugunsten der Bundesrepublik entscheiden möchte.

Es geht darum, ob die Schweiz ihre Armee mit dem amerikanischen Panzer XM-1 oder dem deutschen Leopard 2 ausrüstet. Bei den geplanten Vergleichstests ist Krapke sozusagen amtlicher Beobachter der deutschen Seite. Krapke: „Mein Ziel ist, daß wir in der Schweif binnen. Für mich wäre es ein Höhepunkt, mein Kind auch in der Schweiz zu sehen.“

Wenn Krapke sein Ziel erreicht, wäre das eine späte Rache für die Art, in der die Amerikaner versuchten, den Leo 2 beim Vergleichstest mit dem XM-1 abzuqualifizieren. Obwohl der Leo 2 deutlich besser als der XM-1 ist, hat die US-Lobby ihre Militärs derart bekniet, daß die USA schließlich doch dem eigenen Produkt den Vorzug gaben.

Entscheidet sich nun die Schweiz für den deutschen Panzer, dürfte das zugleich ein Vorentscheid für eine Reihe europäischer Nato-Länder sein, im Interesse eir.er Waffenstandardisierung in Europa den deutschen Panzer zu ordern.

Ganz schön trickreich versteht der Forschungsminister Volker Hauff die Tatsache zu verbergen, daß der Siemens-Konzern Hauffs größter Zuwendungsempfänger ist. In der Antwort auf die CDU/CSU Anfrage nach den 30 Unternehmen, die 1979 die größten Zuwendungen erhalten haben, steht die Firma Siemens mit 99,9 Millionen erst an fünfter Stelle. Auf dem ersten Platz befindet sich hingegen Messerschmitt-Boelkow-Blohm (MBB) mit 151,9 Millionen. Da sich unter den 30 größten Zuwendungsempfängern aber auch noch Siemens-Töchter und Siemens-Beteiligungen befinden, gebührt dem Siemens Konzern in Wirklichkeit der erste Rang. 285 Millionen Mark sind 1979 von Hauff an das Großunternehmen gezahlt worden, wobei Förderzuschüsse an eine Reihe kleiner Siemens-Beteiligungen nicht mitgerechnet sind.

Zu den 285 Millionen aus dem Hauffschen Etat, wovon etwa 50 Prozent auf die Förderung neuer Nuklear-Technologie entfallen, bekommt Siemens vom Verteidigungsministerium weitere 62 Millionen Mark Forschungsmittel. Insgesamt kassierte der Siemens-Konzern knapp 350 Millionen Mark.

Auf dem zweiten Platz der Zuwendungsempfänger steht MBB mit 267 Millionen Bundesmitteln. Mit einigem Abstand folgen dann AEG-Telefunken (184 Millionen), die bundeseigene Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft (145 Millionen) und Dornier (142 Millionen). Wolf gang Hoffmann