Von Gerhard Seehase

Ich ein Idol?" fragt er, und das hört sich an, als hätte er es lieber eine Nummer: kleiner. Lachfalten, die von den Augen ausgehen, durchziehen das flächige, offene Gesicht. Er ist immer noch in Form: "Na ja, ich hab’ ja auch mein ganzes Leben lang nichts getan, um abschreckend zu wirken."

Am: 28. September wird Max Schmeling 75 Jahre alt. Schön 1936, als er den 18 :1 Favoriten Joe Louis im New Yorker Yankee-Stadion in der 12. Runde k. o. schlug, war nichts Abschreckendes an ihm;"Wenn ich zurückdenke", sagt er, "dann war dieser Sieg gegen Joe Louis, der später mein Freund wurde, wichtiger als der Titelgewinn 1930 gegen Jack Sharkey."

Man legt ihm die Hand auf die Schulter, sagt "Hallo Max" – und darf gewiß sein, einem freundlichen Menschen gegenüberzustehen. Jeder darf es. Auch der autogrammheischende Bengel, der "Schmelings" sammelt, um sie gegen einen "Rummenigge" einzutauschen.

Er wird umschwärmt, wo er sich zeigt. Fluch der Popularität?

"Für mich waren damals, als ich selbst noch ganz jung war, Dempsey und Tunney die großen Vorbilder. Das wäre toll, hab’ ich mir damals gesagt, wenn du einmal wie sie durch die Straßen gehen würdest und sie kamen zu dir, um Autogramme zu bekommen. Und wenn bei mir jetzt manchmal das Gefühl aufkommt, daß dies doch alles sehr lästig ist, dann finde ich schnell wieder zurück zu meinem Traum von damals. Und ich sage mir, du verdankst dem Sport alles, und nun kannst du auch dieses kleine Opfer bringen."

Das ist keine Floskel. Gewiß nicht. Er kam nicht so schnell ans große Geld wie die Fußballprofis unserer Tage, die sich schon als Zwanzigjährige Autogrammstunden teuer bezahlen lassen. Für seinen ersten Profi-Kampf, das war gegen den Düsseldorfer Kurt Czapp, kassierte er ganze 80 Deutsche Mark. "Und als ich von Walter Rothenburg ein Angebot aus Hamburg für 800 Mark bekam, da war ich überzeugt, daß es so viel Geld auf einem Haufen gar nicht geben könnte."