Hervorragend

"Cantigas de Santa Maria" und Benedettos Marcello: "Der 50. Psalm". Eine neue Schallplattenreihe: "Schola Cantorum Basiliensis – Documenta". Sie bezeugt die Lehr- und Forschungsarbeit eines Instituts für alte Musik, das schon 1933 in Basel gegründet wurde, das maßgeblich mitgewirkt hat an der Renaissance der Musik des 11. bis 15. Jahrhunderts, jener ersten für uns heute noch erreichbaren Kunstäußerungen, in denen eine abendländische Ästhetik sich in Tönen absetzte von den Formen und Inhalten anderer Kulturkreise, aber auch späterer Epochen, etwa des Hochbarock. Eine Renaissance entsprechend auch der alten Instrumente und ihrer Spielweise, der exakten Notentexte und der Beachtung verlorengegangener Interpretationskriterien. In den "Cantigas" beispielsweise, 400 galizischen Lobliedern aus der Zeit des Königs Alphons X., des "Weisen", auf die Wunder, die der Jungfrau Maria oder ihrer Fürsprache zugeschrieben werden, ist das Prinzip der kollektiven Improvisation (das in der Neuen Musik unserer Tage zu neuen Ehren kommen möchte) angewandt In Benedetto Marcellos 50. Psalm hingegen, 1726 in Venedig komponiert, sind die frühen Versuche wiedergewonnen, Empfindungen, genauen religiöse Haltungen wie "fromme Zerknirschung"", "Andacht" oder "freudige Zuversicht" musikalisch auszudrücken – und dies in so weltlichen Formen wie Opernarien oder Tanzsätzen. Schon früher – in der "Reflexe"-Serie der EMI – hatten die Basler ihr Können und Wissen gezeigt Die ersten, makellos produzierten Platten der neuen Serie lassen Bestes erhoffen, (deutsche harmonia mundi 1 C 065-99 898/899)

Heinz Josef Herbort

Hörenswert

"Switched-On Brandenburgs". Gemeintsind die Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian

The Cars: "Panorama". Das Studium der letzten Platten von David Bowie und den Talking Heads bat dem Cars-Komponisten Ric Ocasek auch nicht viel genutzt. Eingefallen ist ihm seit "Candy-O" – und die LP war ihrerseits schon ein Aufguß des Cars-Debüts – trotzdem nicht viel. "Panorama" ist seelenloser Techno-Pop mit obskuren Nonsens-Texten, die sich bedeutungsschwer geben im scheinbar kalkulierten Schwachsinn. Von dem auf raffinierte Weise simplen Charme der ersten Cars-Platte mit ihrem "Minimal-Art"-Konzept ist hier nichts mehr übriggeblieben. Auch aufnahmetechnisch ist das dritte Album geradezu unglaublich miserabel ausgefallen. (Elektra ELK 52 240) Franz Schüler