Nürnberg

Die Aussicht vom Teufelsfelsen nach Norden ist himmlisch: Sanft schlängelt sich die Altmühl in Richtung Donau, gesäumt von Erlen und Eschen, von dichtem Ufergesträuch und satten Wiesen, im Hintergrund die sanften Anhöhen des Oberpfälzer Landes.

Doch beim Blick in den Süden endet die Idylle: da rumoren Bulldozer, wuchten Kräne Betonteile zu einem gigantischen Wehr mit acht Metern Stauhöhe empor. Aus der schlanken Altmühl wird eine 55 Meter breite schnurgerade Wasserpiste: Teil des 3500 Kilometer langen Rhein-Main-Donau-Kanals, der 34 Kilometer lang durchs untere Altmühltal schneiden soll. "Der Kanal", schimpft Handwerksmeister Erich Kugel, "macht aus einer der schönsten Naturlandschaften braunes Land." Kügel ist Vorsitzender einer Bürgerinitiative, die gemeinsam mit dem 40 000 Mitglieder starken bayerischen "Bund Naturschutz" seit Jahren gegen die "Vergeudung von Steuergeldern" und die "Zerstörung der Landschaft" durch den "Europa-Kanal" kämpft.

Doch das "Milliarden-Unding", selbst von Experten als unrentabel eingeschätzt, wurde weitergebaut. Jetzt, "fünf vor zwölf", bäumen sich die Kanalgegner noch einmal auf. Sie wollen dem ehrgeizigen Projekt, das Nordsee und Schwarzes Meer verbinden soll, per Klage das Wasser abgraben. Der Münchner Rechtsanwalt Hans Christian Kopf, Vertreter von über 30 Kanalgegnern, will das Bundesverwaltungsgericht davon überzeugen, daß die Wasserstraße wirtschaftlich sinnlos sei. Kopf: "Ein Schiff braucht von Nürnberg bis Regensburg mehrere Tage, ein Lastwagen auf der neuen Autobahn eineinhalb Stunden, die Eisenbahn höchstens zwei Stunden. Hier aber werden insgesamt 2000 bis 2500 Millionen Mark ausgegeben, um ein Schiff 90 Meter rauf- und runterzuheben."

Nach Ansicht des Naturschutzbundes ist die Bundesbahn "durchaus allein in der Lage", den Güterverkehr zu bewältigen. Der Kanal führe zu einem künstlichen, aber "ruinösen" Wettbewerb mit der Schiene – "auf Kosten des Steuerzahlers".

Nutzen bringt der Europakanal nach Ansichtseiner Gegner nur den Ostblockstaaten: "Die machen", sagt Kopf, "mit Dumpingpreisen die Frachttarife kaputt. Schon heute schreibt deshalb die Passagierschiffahrt in Regensburg rote Zahlen." Kopfs Fazit: "Der Rhein-Main-Donau-Kanal muß in Nürnberg – bis dahin ist der Ausbau schon vollendet – gestoppt werden!"

Dieses Ziel verfolgen Naturfreunde schon seit Jahren. Für sie steht die "Ausmerzung" einer "der letzten Natur-Oasen" bevor. "Die Altmühl", klagt Erich Kügel vom "Verein der Freunde des Altmühltals", "ist eines der fischreichsten Gewässer, deshalb kommen ja viele Touristen zum Angeln hierher. Aale, Forellen, Schleie, Barben haben im Fluß ihre Laichplätze. Die wird zum großen Teil der Kanal fressen."