Die Telephonkunden sollen jetzt schneller von neuen Technologien profitieren

Von Wolfgang Hoffmann

Die Erkenntnis, daß der Fernsprechkunde nun endlich König werden soll, hat Franz Arnold nicht zuletzt einer ausgedehnten Reise durch die Fernmeldelandschaft der Vereinigten Staaten zu verdanken. Dort stellte er einerseits fest, daß die Bundesrepublik mit ihrem Fernmeldemonopol zwar ein gut funktionierendes Fernmeldesystem mit großer Breitenwirkung hat, die Deutsche Bundespost andererseits aber einen weit schlechteren technologischen Standard als die USA hat. Was dem amerikanischen Telephonkunden geboten wird, ist nicht nur technisch besser und vielfältiger, sondern auch billiger. Arnold blieb nicht bei dieser Einsicht stehen. Intern wie extern gibt er die Losung aus. "Wenn wir unser Fernmeldemonopol erhalten wollen, dann müssen wir tun, was der Kunde wünscht und unsere Restriktionen aufgeben."

Den Worten folgte die Tat, und Deutschlands Fernsprecher können schon bald die ersten Früchte ernten. Zum Jahresende wird die Post etwas anbieten, was es technisch seit langem gibt, manch ein Kunde auch schon oft begehrte, die Post indes verwehrte: die Heimtelephonanlage. Zwar konnte sich der Besitzer eines gehobenen Einfamilienhauses auch bisher schon vom Keller zum Dachgeschoß eine Hausrufanlage installieren, die war nur nicht viel wert. Denn mit den Apparaten konnte man zwar intern, nicht aber gleichzeitig nach außen telephonieren. Nun endlich soll beides mit einer Anlage möglich werden. Und weil die Heimtelephonanlage für internen wie externen Fernsprechverkehr so praktisch ist, soll sie gleich weitere Funktionen enthalten: Mit einem Türlautsprecher gekoppelt können gebetene wie ungebetene Besucher identifiziert werden, und wenn der Kunde will, kann er jeden Anschluß mit einem Gebührenzähler ausstatten lassen.

Als die Bundespost die Fernmeldeindustrie mit dem Plan der Heimtelephonanlage vertraut machte, muckten die traditionellen Lieferanten der Post auf. Der Grund war verständlich. Die Industrie verwies darauf, daß die Anlage nichts Neues sei. Schließlich gibt es Nebenstellenanlagen mit entsprechenden Funktionen schon lange. Doch was die Post für ihre Kunden wünscht, gab es in Wirklichkeit noch nicht: billige Anlagen, erschwinglich nicht nur für Firmen, sondern auch für den Normalverbraucher mit nur einem Hauptanschluß. Arnold: "Die Heimtelephonanlage sollte ganz billig sein. Und wir haben der Industrie vorgerechnet, daß es billig gehen muß und gehen kann." Und nun geht es: Die Grundausstattung mit zwei Apparaten kostet im Monat nur il Mark mehr als der übliche Anschluß. Jeder zusätzliche Apparat ist für 2,50 Mark zu haben. DiePost? trägt auch jenen Kunden Rechnung, die eine solche Heimtelephonanlage kaufen oder verschenken wollen. Für 1050 Mark ist die Anlage für die Dauer von zehn Jahren käuflich zu erwerben. Das ist dann allemal billiger als die monatliche Miete.

Die Fernmeldeabteilung der Deutschen Bundespost wird munter, gewissermaßen fünf Minuten vor zwölf. Denn die Zahl der Kritiker, die an dem innovationsfeindlichen Fernmeldemonopol herummäkeln, wird immer größer, die Angriffe auf die Fernmeldehoheit des Staates immer dreister. Die Lage ist ernst, und erstmals gibt ein leitender Beamter des Postministeriums sogar offen zu: "Die Post muß das Unbehagen an der bisherigen Situation erkennen und sich der Diskussion stellen."

Daß sie in dieser Diskussion besser abschneiden wird, wenn sie etwas zu bieten hat, liegt auf der Hand. Deshalb bereitet die Abteilung von Franz Arnold schon den nächsten Schlag vor. Der Heimtelephonanlage, die womöglich schon zu Weihnachten manchen Gabentisch zieren kann, soll baldmöglichst im kommenden Jahr das Komforttelephon folgen. Für 15 bis 20 Mark zusätzlich wird dieses Telephon dann weit mehr können als mit Opas alter Wählscheibe möglich war. Spezialtasten erlauben die Einspeicherung von zwölf besonders häufig gebrauchten Fernsprechnummern. Die Nummern lassen sich per Kurzwahl anläuten, lästiges Wählen der ganzen Rufnummer entfällt. Eine automatische Wahlwiederholung erspart das Mehrfachwählen bei besetzten Anschlüssen. Laut hören – auch schon beim Wählvorgang – gehört gleichfalls dazu. Was immer technisch möglich und für den Kunden bequem ist, die Post will ihre bisherigen engstirnigen Grenzen aufgeben.