Angenehm

„Theo gegen den Rest der Welt“ von Peter F. Bringmann. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft verfolgen ein „Trucker“ aus dem Kohlenpott, sein vernünftiger italienischer Kompagnon und eine schweizerische Medizinstudentin einen geklauten Lkw von einer Autobahnraststätte im Ruhrgebiet bis zum Hafen von Neapel. „Theo gegen den Rest der Welt“, der erste Kinofilm des Gespanns Peter F. Bringmann (Regie) und Matthias Seelig (Drehbuch), das für den WDR die Fernsehspiele „Aufforderung zum Tanz“ und „Paul kommt zurück“ realisierte, ist ein komödiantisches „Road Movie“, dessen lästiger Charme an frühe Filme von Philippe de Broca erinnert. Die Chancen stehen schlecht, doch Theo, der Zocker, Träumer und Alltags-Anarchist, gibt nie auf. Er ist ein Kämpfer wider alle Vernunft: ein Kino-Typ. „Ich schlafe immer am Ende des Monats“, sagt Marius Müller-Westernhagen als Theo, und solche trotzig-lakonischen Sprüche charakterisieren die Titelfigur und ihr angenehm gebrochenes Verhältnis zur Realität Ein witziger deutscher Action-Film, trotz einiger Längen in der Mitte sehr professionell inszeniert, mit einem Hauptdarsteller mit Starqualität und vorzüglichen Partnern (Guido Gagliardi, Claudia Demarmels): Der mittleren amerikanischen Ware, die unsere Kinos verstopft, ist Bringmanns Film schon überlegen. Gäbe es zehn von dieser Sorte pro Jahr, wäre einiges gewonnen für das feine, literarische deutsche Subventionskino.

Hans C. Blumenberg

Annehmbar

„Das Ende der Nacht“ von Yannick Bellon. Mit dem „Ende der Nacht“, von der französischen Film- und Fernsehregisseurin Yannick Bellon inszeniert, kommt zum zweitenmal in diesem Jahr ein Spielfilm in unsere Kinos, in dem es um Vergewaltigung geht. Hatte sich die kanadische Filmemacherin Anne-Claire Poirier in „Der Schrei aus der Stille“ auf verschiedenen Ebenen – durch die Spielhandlung selber, fiktive Diskussionen, Dokumentarmaterial und symbolische Gerichtsszenen – diesem Thema genähert, bleibt Yannick Bellon bei ihrem „Fall“. Sie verzichtet auf jegliche Verfremdung, gestaltet die Spielhandlung vielmehr so, daß unterschiedliche Standpunkte und vermutliche Ursachen für männliche Machtausübung und Gewalttätigkeit deutlich werden. Da sie möglichst keinen Aspekt auslassen will, wirkt die Handlung zuweilen stark konstruiert und wird, vor allem in der zweiten Hälfte, unnötig ausgedehnt Doch zusammen mit Nathalie Nell, der Hauptdarstellerin, gelingt es der Filmemacherin, die Ängste und seelischen Verletzungen erfahrbar und den Frauen Mut zu machen, die Scham zu überwinden und nicht länger zu schweigen, wenn sie zu Betroffenen werden. Frauengruppen, die Anne-Claire Poiriers Film vorwarfen, er sei unrealistisch, weil ein Psychopath der Vergewaltiger sei, dürften mit „L’amour violé“ (Originaltitel) eher einverstanden sein: Die Täter sind ganz „normale“ Männer mit sozialen und emotionalen Bindungen. Anne Frederiksen

Langweilig

„Das schwarze Loch“ von Gary Nelson beginnt, wie in längst vergangenen Zeiten gelegentlich Großfilme („Vom Winde verweht“, „Ben Hur“) begannen: mit einer musikalischen Ouvertüre. Während das Licht schon aus ist, der Vorhang jedoch noch geschlossen, stimmt die Musik auf das Kommende ein. Sie bringt das Getuschel zum Verstummen und steigert die Erwartung bis zur Ungeduld. Doch dieser schöne Anfang findet im Film keine Entsprechung. Allein die von Peter Ellenshaw entworfenen „matte paintings“, gemalte Räume, in die Realszenen einprojiziert beziehungsweise einkopiert sind, schaffen ab und an eine atmosphärische Spannung. Diese Gemälde wirken als Einbrüche der Künstlichkeit, ohne die intendierte Illusion einer zukünftigen Realität aufzuheben. Sie verweisen darauf, daß der Film etwas Produziertes, Gestaltetes ist, und verdichten gerade dadurch die Lust am Schauen. Ansonsten sind der Kampf gegen ein Versinken im Schwarzen Loch und das Versinken selber löchrig inszeniert – ohne Tempo, ohne Rhythmus, selbst ohne überwältigende Tricks. Es ist eine krude Genremixtur: Science-fiction zwischen Stanley Kubricks „2001: A Space Odyssey“ und George Lucas’ „Star Wars“, angefüllt mit Horror-, Western-, Märchen-, Komödien- und James-Bond-Elementen. Das Versinken erscheint als Übergang von der irdischen zur überirdischen Wirklichkeit. In „2001“ ist dies als Spiel mit Farben, Bewegungsformen und Linien formuliert Hier rotieren nur Köpfe. Als dann alles vorbei zu sein scheint, passieren die Helden die helle, gläserne, tunnelartige Himmelspforte. Und gelangen so lebendig ins Jenseits. Norbert Grob