Wie Jungwähler-Initiativen gegen Franz Josef Strauß streiten

Von Klaus Pokatzky

In ihrem Fußballverein "SV Edelweiß Neidenstein" hören Dieter, Helmut und Bruno öfter so was wie "rosarote Brut", "rote Brigade" oder "rote Bazille" – das aber eher frotzelnd und "net direkt bösartig gemeint". Offensichtlich so gemeint war jedoch, was neulich eine Frau mittleren Alters zu Dieter sagte, als sie ihn auf einer CDU-Kundgebung mit einer Anti-Strauß-Plakette sah: "Verlauster Geselle, Gammler, Schlappsack".

Was die Fußballfreunde vom "SV Edelweiß" spötteln und andere gleich ausfallend werden läßt, ist das Engagement von Dieter, Helmut und Bruno gegen den Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß. Die drei gehören zu den etwa zwanzigtausend Leuten, die in zweihundert lokalen Wählerinitiativen überall in bundesdeutschen Landen unter dem Motto "Freiheit statt Strauß – Aktion für mehr Demokratie" gegen den bayerischen Ministerpräsidenten und dessen Ambitionen auf den Kanzlerstuhl streiten – und zugleich, dies unterscheidet sie etwa von den "Stoppt-Strauß"-Gruppen um den DKP-orientierten Marburger Professor Reinhard Kühnl, Wahlkampf für die Sozialdemokraten machen.

Eine "schwarze" Gegend

Dieter, Helmut und Bruno kommen aus Neidenstein, einem 1500-Einwohner-Ort im Neckartal, knapp dreißig Kilometer von Heidelberg entfernt. Mit fünfzehn anderen Strauß-Gegnern, meistens Neidensteinern im Jungwähler-Alter, decken sie den Wahlkreis 184 Heidelberg-Sinsheim ab, eine "schwarze" Gegend, in der die CDU bei der letzten Bundestagswahl 53,5 Prozent der Wählerstimmen bekam und die SPD nur 37,6 Prozent. 1972 waren es für die Christdemokraten 49,8 und für die SPD 39,9 Prozent – ein schwieriges Terrain also für die Neidensteiner, Handwerker, ein paar Studenten, Schüler, Arbeiter. Die meisten von ihnen sind Mitglieder der SPD, Jungsozialisten also, wollten aber "dem ganzen Parteikram aus dem Wege gehen, was machen, was uns Junge anspricht, und nicht nur den ganzen abgefahrenen Kram wie politischen Frühschoppen und so, wo sowieso nur Parteimitglieder und hundertprozentige Wähler hinkommen", begründet der 19jährige Roland Kress sein Engagement in der Initiative.

Roland, der bis Ende dieses Monats seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr ableistet und dann Geschichte und Politik studieren will, ist