Von Monika Putschögl-Wild

Der deutsche Urlauber – so wird landauf, landab auf Podien geklagt – sei doch recht eigentlich ein tumber Tor, der nur Sonne im Sinn habe und sich um Land und Leute kaum schere. Er sei daher, so unisono die Forderung, besser zu unterrichten.

Mit Geschriebenem umworben wird er zur Genüge. Die Reiseveranstalter tun’s mit Katalogen, in denen sich allenthalben schon mal ein paar Auskünfte über Sehenswürdigkeiten einschleichen und sei’s nur, um für die hauseigenen Ausflüge vor Ort die Trommel zu rühren. Die Fremdenverkehrsverbände tun’s mit unzähligen Gebietsprospekten, um phrasenreich ihrer Region zu huldigen. Auch hierher verirrt sich gelegentlich Wissenswertes.

Eine Art der Information jedoch scheint fast in Vergessenheit geraten zu sein – es gibt Reisebücher, und zwar weit mehr als nur die Dreieinigkeit von Polyglott, Baedeker und Merian, weit mehr als nur verschenkschöne Bildbände. Nur sie auszumachen, verlangt wesentlich mehr Anstrengung, als das Urlaubsziel zu finden.

Der lesewillige Reisende geht in den Buchladen und findet mit Glück oder einem kündigen Buchhändler vielleicht das Richtige, Oder er erinnert sich eines bestimmten Buches, das in einer Zeitung besprochen wurde. Oder er schreibt an das Verkehrsamt seines Urlaubslandes: Manche dieser Ämter nämlich verschicken Literaturlisten. Bei weitem zwar nicht alle, und – will’s der Zufall oder ist’s Methode – gerade die sechs Lieblingsländer der Deutschen nicht, aber allein der Umstand, daß einige auf einem Blatt Papier auflisten, was dem Urlauber hilfreiche Unterweisung sein könnte, verdient erwähnt und gelobt zu werden.

Unter den vielbesuchten europäischen Ländern sind es unter anderem die Schweiz, Großbritannien und Dänemark, die sich dieser Mühe unterziehen. Das Schweizer Listchen beginnt mit dem amtlichen Kursbuch und nennt neben Freizeitkarten und Reiseführern auch noch eine ganze Latte empfehlenswerter Landeskarten. Eine pfiffige Sache: Die Bücher sind über alle Schweizer Verkehrsbüros zu beziehen – die Zahlkarte liegt gleich bei. Wenn auch sicher nicht alles enthalten ist, was über die Schweiz publiziert; wurde, ein Leitfaden ist’s allemal.

Ähnlich geschickt, mit Bestellformular, gehen auch die Briten vor: Über 85 Bücher sollen "zu einem vollkommenen Urlaub in Großbritannien verhelfen": Reiseführer für Schottland und Wales (herausgegeben von den Tourist Boards), Reiseführer der Automobile Association, Nützliches wie "Shopping in London" oder "The London Theatre Scene". Alle Titel, wobei es sich meist um handfeste Reiseführer handelt, werden kurz charakterisiert. Schon möchte man jubeln ob solch vorzüglicher Sorge um den potentiellen Inselbesucher, indes, alles hat seinen Haken: Die Liste enthält ausschließlich Bücher britischer Provenienz und Sprache. Bei einem Werk wie "Self-Catering Accommodation in England" mag das so schlimm nicht sein, aber nicht jeder England-Besucher kann dem englischsprachigen "Touring guide" ohne Mühe folgen. Schon also wäre, wenn eine ähnliche Liste auch noch für die reichlich vorhandene deutschsprachige Literatur gebastelt würde.