Was fällt Ihnen zu Ausländern ein?", fragte kürzlich ein Journalist deutsche Bürger verschiedener Berufs- und Altersgruppen. "Meistens etwas Negatives", "daß die nach Knoblauch stinken", "daß sie wie Vandalen hausen und alles aus reinem Übermut zerkloppen", oder schlicht: "Ich kann Ausländer nicht vertragen"; ein 30jähriger Berufsschullehrer befand: "Es wird denen hierzulande viel zu leicht gemacht, sich häuslich niederzulassen." So lauteten einige der Antworten. Nur ein kleiner Prozentsatz der Befragten entschied wie eine 52jährige Küsterin: "Ausländer – das sind Menschen wie wir."

Diese Vorurteile der Deutschen gegenüber Fremden sind hinlänglich bekannt. Von den Ansichten der Betroffenen aber wissen wir wenig. Was sie, die Ausländer, denken und empfinden, welche Erfahrungen und Enttäuschungen sie mit uns erleben, schildern Berichte und Erzählungen in dem Buch:

"Ausländerbuch für Inländer. Bausteine zum Begreifen der Ausländerprobleme"; herausgegeben von Pea Fröhlich und Peter Märthesheimer. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1980; 264 7,80 DM.

Achmet, ein 31 jähriger Türke, lebt bereits seit 1971 als Facharbeiter in der Bundesrepublik und hat die Ressentiments seiner Umwelt mehr als einmal am eigenen Leib zu spüren bekommen. Er erzählt: "Während des Einkaufens, da kam ein Verkäufer zu mir. Ich hatte eine Bohrmaschine in der Hand, und dann wollte ich mir die technischen Daten angucken, und dann hat er gesagt: ‚Schöne Maschine, du wollen kaufen?’ Und daraufhin habe ich auch zu ihm gesagt: Entschuldigen Sie. mal, sind wir Verwandte oder was, warum duzen Sie mich?‘ Und dann er konnte natürlich mich nicht befriedigend beantworten, hatte wahrscheinlich auch keine Zeit mehr und dann hat er gesagt: ‚Mach was du willst‘ und ist weggegangen."

Ein Einzelfall? Sicher nicht. Auch den Kindern ergeht es kaum anders.

Stavros, ein 13jähriger Grieche, fühlt sich von der Klassengemeinschaft ausgestoßen: "Ich möchte viele Freunde habe. Bei Schule alle Kinder böse. Ich sage auf die Kinder ‚Hallo!‘ und die Kinder sagen ‚Hau ab!‘ Aber das find ich net gut. Ich wünsche, die Kinder helfe mir."

Wie kommt eine Deutsche dazu, in einer solchen Initiative mitzuarbeiten? Erika Rohrbach ist seit 1978 ehrenamtliche Mitarbeiterin eines Arbeitskreises, der sich, um Einschulungshilfen und Hausarbeitenbetreuung von ausländischen Kindern kümmert. Von ihrem Beitritt sagt sie: "Damals war ich mit mir und meinem Leben nicht recht zufrieden. Meine eigenen Kinder, vierzehn und elf Jahre alt, kamen eigentlich zunehmend ohne mich aus ... Ich hatte keine Lust, in meinen alten Beruf zurückzukehren, fühlte aber doch den Wunsch, etwas zu tun, was außerhalb meiner Familie lag. Darum beschloß ich, mir diesen Verein Arbeitskreis für das ausländische Kind‘ genauer anzusehen. Hier hörte ich zum erstenmal etwas mehr über die Probleme der Kinder, die sich in einem Land, zurechtfinden; müssen, in das sie hineingeworfen würden, ohne die Sprache zu beherrschen und ohne eigentlich erwünscht zu sein."