Der seit langem schwelende Konflikt zwischen Irak und Iran hat sich in den letzten Tagen zu einem unerklärten Krieg gesteigert.

Nach einer Reihe kleinerer Gefechte im Grenzgebiet des Schatt-el-Arab ist das Regime in Bagdad nun zum Angriff übergegangen. Irakische Kriegsschiffe attackierten am vergangenen Sonntag iranische Marinestützpunkte in der Nähe von Abadan und bei Chosrowabad. An der 1200 Kilometer langen gemeinsamen Grenze kam es zu heftigen Gefechten. Bei den Kämpfen, die auf das Gebiet der Erdölprovinz Kusistan übergriffen, wurden schwere Artillerie und, Raketen eingesetzt. Am Dienstag bombardierten irakische Kampfflugzeuge die Ölraffinerie von Abadan.

Iran hat inzwischen die Straße von Hormuz für die Schiffahrt gesperrt; der Schatt-el-Arab wurde offiziell zum Kriegsgebiet erklärt. Iranische Artillerie hat, laut Radio Teheran, irakische, Erdgas- und Erdölraffinerien zerstört; die Luftwaffe flog Angriffe auf Bagdad, Basra und Mossul.

Der "starke Mann" des Irak, Saddam Hussein, nimmt offensichtlich die Chance wahr, Vorteil aus der militärischen Schwäche des Iran Zu ziehen. Seit dem Sturz des Schah zeigt die ehemals schlagkräftige, hochmoderne Armee Zerfallserscheinungen.

Irak hingegen besitzt eine offenbar schlagkräftigere Armee von über 200 000 Soldaten und 200 000 Reservisten; das Land verfügt über 195 Kampfflugzeuge und rund 2700 schwere Panzer, die meisten aus sowjetischer Produktion.

Mit diesem Arsenal will Hussein jetzt anscheinend die Vormachtstellung am Persischen Golf erringen. Der erste Schritt dazu war die Kündigung des Vertrages, der vor fünf Jahren die Hegemonie des Iran besiegelt hatte.

1975 hatte Irak und Schah Reza Pahlewi den explosiven Grenzkonflikt zwischen beiden Ländern diplomatisch beigelegt. Ihr Abkommen regelte die Zufahrt auf dem Grenzfluß Schatt-el-Arab: Irak, der den Fluß in voller Breite für sich beansprucht hatte, erkannte die Teilung der Fahrrinne an; Iran konnte von diesem-Zeitpunkt an ohne Kontrolle die in unmittelbarer Nähe gelegene Raffinerie von Abadan und die Förderanlagen von Khorramschar erreichen. Im Gegenzug stellte Iran seine Unterstützung der Kurden ein, deren Aufstand Irak militärisch und wirtschaftlich in Schwierigkeiten brachte.