• Bei der letzten Opec-Konferenz haben die meisten Mitglieder ihre Preise stabil gehalten, während Saudi-Arabien erhöht hat. Welche Auswirkungen haben diese Preisbeschlüsse für Ihre Gesellschaft als Bezieher saudiarabischen Rohöls und für die deutsche Volkswirtschaft insgesamt?

Lewinsky: Der Anteil saudi-arabischen Rohöls an der Versorgung unseres Unternehmens liegt bei durchschnittlich ein Viertel. Die Anhebung von zwei Dollar pro Barrel verteuert unsere gesamten Rohölkosten um etwas mehr als einen halben Pfennig pro Liter. Die Rohölrechnung der Bundesrepublik insgesamt wird mit mehr als 600 Millionen Mark jährlich belastet.

  • Werden sich daraus Konsequenzen für das Heizöl oder für Benzin ergeben?

Lewinsky: Von der Preiserhöhung werden natürlich die Aramco-Partner wie Mobil stärker betroffen als andere. Auf Grund der derzeitigen Marktlage, die gekennzeichnet ist durch gebremsten Bedarf und eine sehr gute Vorratslage, ist es fraglich, ob die Preiserhöhung für saudiarabisches Rohöl im Markt durchsetzbar ist. Zur Zeit sieht es so aus, daß mit Rücksicht auf die beginnende Heizsaison Preisanpassungen am ehesten beim leichten Heizöl durchgeführt werden können, was zumindest zum Ausgleich der Preiseinbrüdie der vergangenen Monate führen würde.

  • Die Preisbeschlüsse beweisen doch, daß selbst ein so festgefügtes Kartell wie die Opec nicht gegen die Ölschwemme auf den Märkten operieren kann. Darf man daraus schließen, daß die Kraft der Opec für Preisdiktate nachläßt, oder sind die angekündigten Förderkürzungen dazu bestimmt, die alte Macht wieder herzustellen?

Lewinsky: Bei der Opec handelt es sich um ein Kartell von souveränen Staaten. In ihm nehmen Saudi-Arabien und einige andere Länder seit langem eine wohltuend gemäßigte Haltung ein. Diese Länder treten für die Rückkehr zu einer einheitlichen Preis- und Mengenpolitik in der Opec ein. Auch die gegenwärtige Politik Saudi-Arabiens zielt auf Vereinheitlichung der Ölpreise innerhalb der Opec, nicht aber auf eine generelle Senkung. Keines der Opec-Länder wünscht eine Überversorgungsanlage, in der die Preise zwangsläufig drastisch nachgeben und so die wirtschaftlichen Interessen dieser Länder gefährden würden. Dabei darf nicht vergessen werden, daß sich auch in der Opec divergierende Interessen souveräner Staaten widerspiegeln.

  • Wäre die Bindung des Rohölpreises an einen Index für Industriegüter ein brauchbares Instrument zur Beruhigung der Preisentwicklung?