... weil er die bessere Politik vertritt

Von Diether Stolze

I. Die Sache

Kann man ihn überhaupt wählen? Das Urteil über ihn steht fest: Er war in Affären verwickelt, hat im Parlament die Unwahrheit gesagt, zieht Vergleiche zwischen linken Literaten und allgemein wenig geschätzten Tieren, schimpft im Wahlkampf auf seine Gegner, weil sie ihm verweigern, was er am meisten begehrt – die Macht. Die Deutschen, so sagen uns die Demoskopen, wollen diesen Mann nicht, geht es nach ihnen: Franz Josef Strauß hat am 5. Oktober keine Chance.

Vor 42 Jahren haben die Briten auch Chamberlain zugejubelt, als er "peace in our time" versprach. Sir Neville war Abbild des englischen Gentleman, mehr als sein Gegenspieler Winston Churchill, der nach der Friedensreise des Premiers nach München im Unterhaus die bittere Feststellung traf: "Wir haben, ohne Krieg, eine Niederlage erlitten, deren Folgen uns für eine lange Strecke begleiten werden." Chamberlain wollte das Beste, doch er bewirkte das Falsche.

So gehört denn die schlichte Pro-Schmidt-Parole "Der Lotse muß an Bord bleiben" gewiß zu den Dümmlichkeiten dieses Wahlkampfes. Der Wähler darf, nein besser, er muß fragen, auf welchem Kurs das Schiff gesteuert werden soll.

Die weit verbreitete These, wir lebten in einer Zeit der Sachzwänge und es gäbe deshalb keine Alternative, beruht auf dem Vorurteil, daß wir den Worten der Politiker nicht trauen können. Politiker sind jedoch keineswegs besonders verlogene Menschen: Zwar versprechen sie allemal mehr als sie halten können, aber sie geben doch einigermaßen zuverlässig die Richtung an, in der sie sich bewegen wollen. Als Willy Brandt 1969 versprach, die Nation aus dem Füllhorn der Reformen zu beglücken, war ihm damit ernst. So wurde denn auch alles mögliche "auf den guten Weg gebracht", bis am Ende die Realität die Träume überholte und Klunckers Müllmänner den Reformkanzler niederstreikten.