ZDF, Donnerstag, 25. September, 22.35 Uhr: "Asphaltnacht", Film von Peter

Fratzscher

Einmal kommt ein Photo aus Martin Scorseses Film "Hexenkessel" ins Bild, der im Original "Mean Streets" heißt. "Means Streets": So könnte wohl auch dieser Film über eine kalte Berliner Nacht im Jahre 1980 heißen, eine Ballade über die Unwirtlichkeit einer Stadt. The Berlin Wall/Will Never Fall, und im Schatten der Mauer registriert der Film lakonisch blutige Verkehrsunfälle, Peep-Show-Elend, Razzien in linken Buchläden, Schlägereien im Schnellimbiß, Ausweiskontrollen im U-Bahnhof.

Zwei Typen streifen durch diesen Neon-Alptraum: Angel und Johnny, der resignierte Rockmusiker (und Veteran von ’68) und der junge rebellische Punker. Angel sagt: "Vielleicht bin ich nur ein Gespenst mit dem Anspruch, Rockmusiker zu sein."

"Asphaltnacht" ist die erste größere Arbeit von Peter Fratzscher, der von der Münchner Filmhochschule kommt und Udo Lindenberg bei der Realisierung der "Panischen Zeiten" half. "Lieber ’n professionelles Vorbild als ’n handgestrickter Kunstanspruch", läßt er seinen Helden Angel sagen, und dieser Satz trifft wohl auch auf ihn selber zu. Fratzscher macht keinen Hehl aus seinen Vorbildern: Wim Wenders und Martin Scorsese sind offensichtlich seine Idole. Länge Autofahrten, mit Rockmusik unterlegt, karge, stilisierte Dialoge und als Höllenräume ausgeleuchtete Interieurs prägen den Stil der "Asphaltnacht". Der eine Hauptdarsteller (Gerd U. Heinemann als Angel) sieht Wenders sehr ähnlich, der andere (Thomas Davis als Johnny) scheint sich um die Manierismen von Robert De Niro zu bemühen.

So kömmt einem vieles in diesem Film bekannt vor, die Lakonie der Sprüche und die sanfte Larmoyanz, die inzwischen die Propheten des Deutschen Herbstes ergriffen hat. "Der Mann ist ein Veteran. Ein Veteran mit dreißig", heißt es über Angel Merksitze aus dem Poesiealbum der neuen Weinerlichkeit gibt es zuhauf, von des Akteuren in akzentfreiem Hochdeutsch vorgetragen, als kämen sie geradewegs von einem "Abend für junge Hörer".

Mühelos zitiert Fratzscher das ganze Repertoire modischer Verzweiflungsposen. Und was noch bei Wenders und seinem talentiertesten Epigonen Chris Petit ("Radio On") authentisch klang, verkommt hier zu einer schicken Weltschmerzübung. Das hat damit zu tun, daß Fratzscher (Regie, Drehbuch, Schnitt) sich auf seine Figuren viel zu selten wirklich einläßt, daß er sie als "typische" Vertreter zweier Generationen, die sich kaum noch etwas zu sagen haben, mit Spruchbandtexten ausstattet.